Siebenter Vortrag
Aber sehen Sie, die Wissenschaft weiß wirklich nicht richtig, daß das Schmeckende eigentlich der wässerige Mensch ist, und das Riechende der luftförmige Mensch ist. Die Wissenschaft denkt immer nach darüber: Da kommen die Geschmacksnerven in die Zungenwärzchen hinein, und eigentlich ist alles so, als wenn der Nerv schmecken oder riechen würde. Das ist aber ein Unsinn. Im Munde schmeckt das Wasser vom Wassermenschen, und in der Nase schmeckt die Luft oder riecht die Luft vom Luftmenschen. Und wenn wir Kälte oder Wärme wahrnehmen, so wird diese durch das Stückchen Wärme wahrgenommen, das wir selber sind. Direkt die Wärme in uns nimmt die äußere Wärme wahr. Und das ist eben beim Wärmesinn der Unterschied von den anderen Sinnen, daß es die Wärme selber ist, die von allen Organen abgesondert wird. Wir haben da als Menschen ein Stückchen Wärmewelt in uns, und diese Wärmewelt nimmt die andere Welt um sich herum wahr. Nur, wenn wir etwas angreifen, das heiß oder kalt ist, nehmen wir es natürlich nur an der Stelle wahr, wo wir es angreifen. Aber wenn es im Winter kalt ist, nehmen wir die ganze Kälte um uns herum wahr als Mensch, sind ein ganzes Sinnesorgan, und ebenso im Sommer die Hitze.
Cite:
GA 348/1922-12-20/p037 · edition original