Siebenter Vortrag

GA 348/1922-12-20/p041 ·1922-12-20 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Der Wärmesinn ist ja eigentlich auch auf den ganzen Menschen verteilt, aber er ist fein. Und die Wissenschaft, die macht da etwas Eigentümliches durch. Wenn man den Menschen rein materiell absucht, so findet man halt eben diese Gefühlszwiebeln, die ich Ihnen geschildert habe. Nun sagen sich die Leute: Wenn ich also die Schachtel hier angreife, da fühle ich durch diese Gefühlszwiebeln die Schachtel, das Feste. Wenn die Schachtel recht kalt ist, da müßte ich die Kälte ja auch durch eine solche Gefühlszwiebel fühlen. Ja, da suchen sie fortwährend diese Wärmezwiebeln und diese Gefühlszwiebeln und finden sie nicht! Alle Augenblicke kommt einer und untersucht ein Stückchen Haut. Da sehen manche von diesen Gefühlszwiebeln ein bißchen anders aus, und da meint man, die gehören nun zu etwas anderem. Aber das ist ein Unsinn. Wärmezwiebeln sind nicht da, weil der ganze Mensch eben diese Wärme wahrnimmt. Wir haben nur diese Zwiebeln, die für das Feste, für das Flüssige, also für den Geschmackssinn, und für das Luftförmige, also für den Geruchssinn da sind. Wo der Wärmesinn beginnt, da sind wir schon außerordentlich leicht-sinnige Wesen, nämlich bloß ein Stückchen Wärme, das eben die äußere Wärme wahrnimmt. Wenn wir von einer solchen Wärme umgeben sind, daß wir gerade recht zu uns «Ich» sagen können, dann fühlen wir uns wohl; wenn wir aber von Kälte umgeben sind, daß wir frieren, so nimmt uns die äußere Kälte dieses Stückchen Wärme, das wir sind, weg. Unser Ich will uns verloren gehen. Die Bangigkeit in unserem Ich, die macht uns dieses Stückchen Kälte wahrnehmbar. Wenn einer friert, so ist er eigentlich immer bange um sein Ich, und er hat einen Grund, bange zu sein, denn dann schiebt er das Ich schneller aus sich heraus, als er eigentlich soll.

Read this passage in another edition
DEoriginal
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/348/1922-12-20/p041.json
Cite: GA 348/1922-12-20/p041 · edition original