{"corpus":"steiner","locus":"GA 348/1922-12-30/p050","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und da kommt man gerade, wenn man richtig Naturwissenschaft versteht, zu dem, was menschliches Leben vor der Befruchtung in der geistigen Welt ist. Da sagen natürlich die heutigen Materialisten: Ja, das ist eine Phantasie. Warum sagen sie das? Ja, meine Herren, alle die alten Leute, die in uralten Menschheitszeiten noch gewisse traumhafte Erkenntnisse hatten, die wir nicht mehr haben können, die wußten, daß der Mensch da ist, bevor er auf der Erde ist. Aber das ganze Mittelalter hindurch war verboten, durch ein Verbot von der Kirche, an die sogenannte Präexistenz, das heißt an das vorirdische Sein zu denken. Das hat die Kirche verboten. Und wenn heute der materialistische Agitator am Rednerpult steht, so ist bei dem das Rednerpult nur die Fortsetzung der mittelalterlichen Kanzel, denn er redet nur dasjenige - wenn er auch nicht mehr im Kanzelpredigerton, sondern im Agitatorenton redet —, er redet nur dasjenige, was die mittelalterlichen Kanzelreden schon brachten. Der Materialismus hat auch nur die mittelalterlichen Kanzelreden übernommen. Und die heutigen Materialisten, die eigentlich nichts wissen, sondern nur das nachsagen, was schon im Mittelalter gelehrt worden ist durch Kirchengebote, die sind im Grunde genommen nicht diejenigen, die auf irgendeiner Wissenschaft aufbauen, sondern die gerade auf demjenigen aufbauen, was die Kirche lehrt. Der Materialismus kommt im Grunde genommen von der Kirche im Mittelalter. Da durfte nämlich keine Seele vor ihrem irdischen Dasein existent sein, weil man den Menschen lehren wollte, irgendein beliebiger Gott schöpfe halt die Seele, wenn eine Befruchtung eintritt. Inzwischen haben die Menschen die Laune gehabt, eine Befruchtung eintreten zu lassen - man weiß ja, daß das in sehr vielen Fällen eine Laune sein kann — und der Herrgott muß flugs hergehen und eine Seele dazu erschaffen! — Das ist schon das, was eigentlich im Grunde genommen Gebot war, daß man das richtig glaubte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1922-12-30","location":null,"word_count":298,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/348/1922-12-30/p050","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/348/1922-12-30/p050"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}