Fünfzehnter Vortrag
In dem Zimmer, in dem sie gelegen hat, haben die Leute, die Eltern und der Arzt, allerlei gesprochen, und sie dachten, sie können das sprechen, weil diese siebzehnjährige Person fortwährend in Fieberphantasien war. Sie hat auch während der Fieberphantasien gar nichts aufgefaßt. Aber als sie gesünder geworden war, konnte sie alles das erzählen, was im Zimmer gesprochen worden war. Sie hat es gewußt, sie konnte das erzählen. Man konnte das konstatieren. Die Auffassung war also nicht da, während sie diese starke Grippe hatte, die zu allen möglichen Krankheiten führte; aber im Gedächtnis ist es geblieben. Es bleibt eben vieles im Gedächtnis, was man im Momente gar nicht auffaßt. Das aber zeigt, daß bei ihr nicht dieser feste Bestandteil des Gehirnes gelähmt war, sondern die umschwimmende Flüssigkeit. Dadurch ist noch mehr der ganze Körper beeinflußt worden. Denn wenn das Feste gelähmt ist, dann müssen durch die Wirkungen des Festen auf das Rückenmark die weiteren Erscheinungen hervorgerufen werden. Aber das Wasser hier, das fließt fortwährend auf und ab durch den Kanal hier (siehe Zeichnung S. 275), so daß, wenn das Wasser hier krank ist, hier auch krankes Wasser entsteht. Aber das geht von dem Rückenmarkskanal in alle Glieder herein. Dadurch bringt es allmählich überall Entzündungen hervor. Aber wiederum dadurch, daß das Wasser, das Gehirnwasser entzündet war und nicht die festen Bestandteile, war auch mehr Kraft zur Gegenwirkung, zu der Heilung vorhanden, und — was eigentlich in diesem Falle fast wie ein Wunder war — die Person konnte gesund werden, trotzdem sie hintereinander alle möglichen Krankheiten gehabt hat.
Cite:
GA 348/1923-01-20/p035 · edition original