Das menschliche Leben in Schlaf und Tod

GA 349/1923-03-21/p004 ·1923-03-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nun wollen wir einmal einen Menschen ins Auge fassen, der nicht schlafen kann. Sie wissen ja, manche Leute klagen darüber, daß sie nicht schlafen können. Aber viele von diesen Klagen darf man nicht so ernsthaftig nehmen, denn manche Leute erzählen einem, sie schlafen überhaupt nie in der Nacht. Und wenn man sie dann frägt, wie lange sie schon nicht schlafen in der Nacht, dann sagen sie: Ja, schon zehn Jahre nicht. - Nun, derjenige, der so lange nicht schlafen könnte, der wäre ja schon längst tot. Die Leute schlafen zwar, aber weil sie so lebhafte Träume im Schlafe haben, kommt es ihnen vor, wie wenn sie wach gewesen wären. Man soll solch einem Menschen sagen: Lege dich nur einmal wirklich hin, du brauchst nicht zu schlafen; lege dich nur hin. — Er schläft nämlich dann schon, und wenn er es auch nicht weiß, so schläft er doch. Das wollte ich Ihnen nur sagen, damit Sie sehen, daß der Mensch einfach den Schlaf für das Leben wirklich braucht. Der Schlaf ist notwendiger für das Leben wie die Nahrung. Und derjenige, der nicht schlafen könnte, könnte nicht leben.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/349/1923-03-21/p004.json
Cite: GA 349/1923-03-21/p004 · edition original