Das menschliche Leben in Schlaf und Tod
Aber mit diesem Gernhaben des Körpers hat es auch seine Haken. Der Körper, der bewegt sich den ganzen Tag. Der Körper schindet sich ab den ganzen Tag. Und das Seelisch-Geistige, das darinnen ist, bekommt dadurch im Laufe des Tages, ohne daß der Mensch es weiß, den Körper immer weniger lieb. Das ist das Merkwürdige, und das muß man wissen. Während der Mensch im Tage lebt und sich fortwährend regsam machen muß, bekommt das Seelisch-Geistige den Körper immer weniger lieb. Daher schläft das Kind so viel. Das hat seinen Körper sehr lieb, will immer den Körper genießen. Sie können, wenn Sie ein Kind sehen, immer sehen, wie das Kind seinen Körper genießt. Denken Sie nur einmal daran, wie es ist, wenn das Kind die Milch getrunken hat und einschläft. In diesem Schlaf hat das Kind das Wohlgefühl der Verdauung. Es genießt das, was in seinem Körper vorgeht. Und erst wiederum, wenn es hungrig wird, wacht es auf. Denn das, was da vorgeht, wenn es hungrig ist, das hat es weniger gern. Da wacht es wiederum auf. Also Sie sehen, das Kind, das will seinen Körper auch im Schlaf noch genießen. Sie können ja die schönsten Beobachtungen machen. Nur tun das die Gelehrten nicht, weil sie dazu nicht die Fähigkeit haben.
Cite:
GA 349/1923-03-21/p009 · edition original