Das menschliche Leben in Schlaf und Tod
Ach, meine Herren, das ist dasjenige, wo man anfängt, wenn man allmählich etwas Erkenntnis kriegt, wirklich sich zu sagen, wie eigentlich der Mensch eine ganze kleine Welt ist. Alles, was in der Welt draußen ist, ist im Menschen drinnen nachgebildet. Mitte Denken Sie einmal, wenn Ihnen nun dieser «Knatsch», diese zerstörte Materie gegeben würde, und Sie sollten da drinnen das nachbilden! Das würden Sie nicht können. Sehen Sie, wenn das Ich allein ist nach dem Tode, da muß es aus der ganzen Welt lernen, wie es die ganze Welt nachbilden kann. So daß der Mensch, nachdem er die Sympathie mit dem Körper abgestoßen hat während dieses Drittels des vorigen Lebens, nun anfängt, aus dem ganzen Weltenall zu lernen, wie man wiederum ein Mensch wird. Und das dauert länger, als auf Erden das Leben dauert, denn auf Erden, da geht es so zu, nun ja, daß man ja viel oder wenig lernen kann. Eigentlich lernen heute die meisten sehr wenig. Und so sonderbar es ist, die Gelehrten lernen am allerwenigsten, denn was sie lernen, das taugt alles nichts. Das taugt nur dazu, zu verstehen, wie ein Leichnam ausschaut, aber nicht, wie ein lebendiger Körper in sich bewirkt wird. Das aber muß das Ich nach dem Tode lernen. Es muß aus der ganzen Welt heraus die Geheimnisse lernen, wie ein Körper aufgebaut wird. Und da kann man hindeuten auf diese Zeit, die nun das Ich zubringt damit, aus der ganzen Welt heraus zu lernen, wie ein Mensch innerlich wirkt und lebt.
Cite:
GA 349/1923-03-21/p039 · edition original