{"corpus":"steiner","locus":"GA 349/1923-03-21/p046","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ja, meine Herren, das wäre geradeso, als wenn der Keim, nachdem er entstanden und befruchtet ist, und der Mensch hineingeschlüpft ist, im Leibe der Mutter sagen würde: Ach, das ist mir zu langweilig, im Leibe der Mutter zu leben, da gehe ich früher ab. — Ja, aber wenn er nicht seine richtigen neun Monate im Leibe der Mutter leben will, so kann er kein Mensch werden. Er muß das zuerst durchmachen. Ebensowenig kann das Ich etwas nach dem Tode erleben, wenn es nicht hier so lebt, daß es angeregt ist dazu. Daher ist das ganz falsch, wenn jemand sagt: Ich warte, bis der Tod eingetreten ist, dann werde ich schon sehen, ob ich was bin oder nichts bin und so weiter. Die Menschen sind ja nicht sehr logisch. Die Menschen sind eigentlich heute so logisch, wie derjenige war, der beteuert hat, geschworen hat, daß er keinen Gott anerkennt, und er hat geschworen: «So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist!» So ungefähr sind heute die Leute. Sie reden die alten Redensarten nach. Ganz unbewußt reden sie die Redensarten nach, selbst dann, wenn sie ihnen widersprechen. Und so glauben die Leute: Man kann ja warten, dann wird man sehen, ob ich noch was bin oder nichts bin. Nicht wahr, die Leute sagen sich: Glaube ich an eine Unsterblichkeit, oder glaube ich nicht an eine Unsterblichkeit? Ja, wenn ich an keine Unsterblichkeit glaube, und es gibt dann doch eine, dann könnte es mir schlecht gehen. Wenn ich aber an eine Unsterblichkeit glaube und es gibt keine, so schadet es nicht. Also ist es jedenfalls besser, wenn ich an eine Unsterblichkeit glaube.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das menschliche Leben in Schlaf und Tod","site_heading":null,"date":"1923-03-21","location":null,"word_count":272,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/349/1923-03-21/p046","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/349/1923-03-21/p046"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/349/1923-03-21/p046","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}