Die Gliederung der menschlichen Wesenheit

GA 349/1923-04-04/p003 ·1923-04-04 · original (original)
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Meine Herren! Wissenschaft will nur dasjenige gelten lassen, was man mit Augen sehen, mit Händen greifen kann. Es gehört eine besondere Fähigkeit dazu, auch das zu erforschen, was man nicht mit Augen sehen, mit Händen greifen kann, und diese Fähigkeit will man sich nicht erwerben. Die mittelalterliche Glaubenswissenschaft hat gesagt, man habe eine Wissenschaft für alles, was irdisch ist, und eine Glaubenslehre, und das ist das, was in der Schrift steht. Und noch heute stehen die Menschen auf diesem Standpunkt. Die Menschen wollen sich nicht mehr getrauen, eine Wissenschaft zu haben, die sich nicht mit Händen greifen läßt, weil sie eigentlich über eine Wissenschaft, die sich mit Händen greifen läßt, noch nicht hinausgekommen sind. Ich möchte Ihnen das, was ich Ihnen gesagt habe, ein bißchen erklären durch etwas, das ja für die heutige Zeit schon alt ist; aber in bezug auf diese Dinge ist gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts das Ausschlaggebende geschehen. Ich brauche Ihnen nur die letzten Sätze eines Buches vorzulesen, so werden Sie gleich sehen, wie die heutige Wissenschaft gesinnt ist in dieser Beziehung. Sie sagt: Über die Grenzen unseres Erkennens hinaus führt uns kein Weg. In die pfadlose... (Lücke in der Nachschrift) können wir uns nur von der unerschöpflichen Hoffnung tragen lassen in mystisch süßem Halbschlummer, auf den Fittichen der Phantasie - und so weiter.

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