{"corpus":"steiner","locus":"GA 350/1923-07-28/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe Sie zum Beispiel aufmerksam darauf gemacht, daß ja erst zu einer bestimmten Zeit die Kartoffel nach Europa gekommen ist. Ja, wenn Sie heute fragen, was essen die Leute am meisten? Kartoffeln! Und wenn Sie irgendwo sehen, daß der Hunger anfängt, da denkt man zuerst nach, wie man zu Kartoffeln kommt. Heute ist es so, daß tatsächlich die Menschen die Kartoffeln hinnehmen, als wenn sie immer dagewesen wären. Ja, meine Herren, wenn Sie vor fünf Jahrhunderten gelebt hätten, da hätten Sie in Europa überhaupt keine Kartoffeln gegessen, denn da gab es noch keine! Da hätten Sie etwas ganz anderes gegessen. Wenn man aber weiß, daß alles vom Geistigen abhängt, dann weiß man auch, daß das Kartoffelessen oder Nicht-Kartoffelessen vom Geistigen abhängt. Und so wie es mit der Kartoffel ist, ist es mit vielen anderen Sachen. Es hat sich eben so furchtbar viel geändert in den letzten Jahrhunderten in der Menschheitsgeschichte, und all das Herumreden in Theorien, das hat alles gar keinen Wert. Denn man kann noch so schöne Theorien aufstellen: Rousseausche Theorien, Marxistische Theorien, Leninsche Theorien, was man will, das sind ja alles ausgedachte Gedanken, mit denen man nichts machen kann, wenn man nichts weiß. Gedanken haben ja nur einen Wert, wenn man etwas mit diesen Gedanken anzufangen weiß. Alle diese Herrschaften, die diese schönen Gedanken aufgestellt haben, waren ja in Wirklichkeit durch und durch unwissend. Und das ist das Merkmal der gegenwärtigen Zeit, daß die Menschen eigentlich durch und durch unwissend sind. Sie wollen den Leuten Theorien aufstellen, wie die Erde als ein Paradies eingerichtet wird, und wissen nicht einmal, wie der menschliche Körper wird, wenn der Mensch Kartoffeln ißt. Das ist dasjenige, was einem heute so furchtbar am Herzen liegt, daß die Menschen gar nicht Verlangen danach tragen, etwas zu wissen. Natürlich, die große Masse kann das nicht, weil der großen Masse eingeredet wird: Dasjenige, was die Herren wissen an den Universitäten, das ist schon das Rechte. — Und da gründen sie dann Volkshochschulen und wollen heute auch das wissen, was die anderen wissen. Aber gerade diejenigen, die etwas wissen sollten, die sich dem Wissen von Berufs wegen widmen, die wissen eben in Wirklichkeit gar nichts. Und daher kommt es, daß heute von allem möglichen geredet wird, aber daß eigentlich im Grunde genommen gar nichts gewußt wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Lungen-Wissen und Nieren-Wissen","site_heading":null,"date":"1923-07-28","location":null,"word_count":380,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/350/1923-07-28/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/350/1923-07-28/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/350/1923-07-28/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}