Von der Ernährung
Aber daraus können Sie eines entnehmen: Die Geisteswissenschaft, die hier getrieben wird, erkennt gerade die richtige Art des Materialismus. Der Materialismus weiß ja gar nichts vom Materiellen; die Geisteswissenschaft erkennt gerade, daß ganz besonders die Kartoffel die richtige Erzeugerin des Materialismus ist. Sie ist ja furchtbar heimtückisch, die Kartoffel, listig, schlau bis zum Exzeß. Denn sehen Sie einmal, der Mensch kann von der Kartoffel nur die Knollen essen, nicht einmal die Augen an der Kartoffel - die wirken schon schädlich —, und die Blüte kann er erst recht nicht essen, denn die Kartoffel ist ein Nachtschattengewächs und die Blüten sind giftig. Aber was ist das Gift? Ich habe Ihnen das letzte Mal schon gesagt: In großen Mengen tötet das Gift, in kleinen Mengen, fein verteilt, ist es Heilmittel. Die Kartoffel an sich hat sehr viel Stärkekleister in sich, besteht fast nur aus Stärkekleister. Sie könnte gar nicht leben, weil der Stärkekleister furchtbar schädlich wirken würde; da zieht sie zu gleicher Zeit aus der Welt das Gift an und vernichtet die schädliche Wirkung bei sich selber. Deshalb nenne ich sie schlau und listig. Sie selber hat ihr Gift, durch das sie für sich die Schädlichkeit wegnimmt. Aber dem Menschen ist das Gift der Kartoffel besonders schädlich; das gibt sie ihm nicht mit, sie gibt ihm nur dasjenige, was sie selber bei sich durch ihr Gift bekämpft. Es ist das wirklich etwas, was man schon so nennen kann: Die Kartoffel ist ein schlaues, listiges Wesen! Und der Mensch muß sich klar sein darüber, daß wenn er zuviel Kartoffeln ißt, sein Mittelhirn verkümmert und daß sogar, gerade durch den übermäßigen Kartoffelgenuß, die Sinne leiden können.
Cite:
GA 352/1924-01-23/p027 · edition original