Von der Ernährung
Nun, meine Herren, es ist interessant, die Dinge, ich möchte sagen, jetzt nicht abgeschlossen in der Studierkammer zu studieren, sondern im Volksleben draußen zu studieren. Es gibt, wie Sie wissen, Bäder, in denen es nach faulen Eiern riecht, zum Beispiel Marienbad. Auch deutsche Bäder gibt es, die eben Schwefelwasserstoff enthalten, wo eben die Sache riecht wie faule Eier. Ja, wirklich: Leute, die sonst Feinschmecker und auch Feinriecher sind, die müssen solche Badeorte aufsuchen. Und warum tun sie das? Warum leben sie da manchmal mehrere Monate im Sommer an Orten, wo es riecht, wie wenn alles durchstreut wäre mit faulen Eiern? Sehen Sie, das ist so: diese Leute haben nämlich tatsächlich zuviel Eiweißstoff gegessen, und jetzt kommen sie an den Badeort; weil sie mit Haut bedeckt sind und die Sache innerlich ist, so riechen sie selber nicht so, aber wenn man es riechen könnte, so würden sie innerlich furchtbar nach faulen Eiern riechen! Nun kommen also alle diese Leute, die innerlich nach faulen Eiern riechen, nach den Badeorten, wo es nach faulen Eiern riecht, und was geschieht da? Ja, sehen Sie, das eine Mal ist der Faule-Eier-Geruch drinnen, das andere Mal draußen. Das eine Mal, wenn er drinnen ist, merkt es die Nase nicht; das andere Mal, wenn er draußen ist, merkt es die Nase. Kopf und Bauch sind Gegensätze. Was der Bauch an Faule-Eier-Geruch erzeugt, wenn es von der Kopfseite her kommt durch das Riechen, so wird es bekämpft. Und so wird in den Badeorten, die nach faulen Eiern riechen, der innerliche Faule-Eier-Geruch bekämpft.
Cite:
GA 352/1924-01-23/p032 · edition original