Das menschliche Auge — Albinismus

GA 352/1924-02-02/p021 ·1924-02-02 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Daraus sehen Sie aber auch wiederum: In der Iris ist ja wirklich etwas von einem getreuen Spiegelbild enthalten von dem, wie der ganze Körper mit Eisen und Schwefel arbeitet. Aber nehmen Sie einmal solch einen Albino, solch einen Kakerlaken; das ist eigentlich eine Art von Krankheit. Es wird zu viel mit Schwefel in dem Körper gearbeitet, aber der Körper gewöhnt sich daran, und es ist das organisiert. Nun aber kann das eintreten, daß das in viel schwächerem Maße in die Augen hineinkommt. Sehen Sie, außer diesem Kakerlaken, von dem ich Ihnen erzählt habe, außer dieser Dame, die sich in der Schaubude ausgestellt hat, habe ich manchen Kakerlaken gesehen. Immer kann man nachweisen, daß bei solchen Kakerlaken etwas ganz Besonderes vorliegt. Man kann sagen: Da ist ein Kakerlak, ein solcher Albino, und er hat diese eigentümliche rötliche Färbung der Iris, blaßrot, hat die dunkelrote Färbung der Pupille, hat den bleichen Körper. Wenn man ihn jetzt weiter prüft, bekommt man aus der Beschaffenheit seines Körpers die Ansicht, daß bei ihm besonders die Verbindung zwischen Herz und Niere eine sehr schwächliche ist. Er ist nicht nur schwach in den Augen, er ist in der Verbindung zwischen Herz und Niere schwach. Die Nieren werden bei einem solchen Menschen sehr mühsam mit Blut versorgt, arbeiten also sehr schwer. Wenn er den Schwefel, den er durch seine ganze Leibesbeschaffenheit in sich trägt, auf die Nieren ablagern würde, dann würde er als Kind schon sterben. Deshalb schiebt er den Schwefel nach der Körperoberfläche ab - die Haut wird weiß, die Augen werden rot —, so daß die Nieren zart arbeiten können. Solche Albinos haben die zartest arbeitenden Nieren zum Beispiel. Es kann das auch bei anderen Menschen auftreten. Wenn aber bei Menschen, die nicht Kakerlaken sind — die meisten sind ja nicht Kakerlaken -, irgendein Fehler bei den Nieren auftritt, ja, muß er sich denn dann nicht auch in der Iris zeigen? Dasjenige, was dort Schwefel und Eisen miteinander machen, drückt sich ja auch hier aus. Man kann also schon aus der Beschaffenheit der menschlichen Iris darauf schließen, ob im menschlichen Körper da oder dort etwas geschädigt ist. Daher kann man an diesem feinen Aussehen der Iris, wenn da oder dort ein Flecken ist, was nicht eigentlich normal ist, sehen: Da ist ein Schaden im Körper. Aber, meine Herren, das müssen Sie bedenken: Der ganze Körper des Menschen ist eine Einheit, und dasjenige, was man in der Iris sieht, würde man auch, wenn man nur gescheit genug wäre, dann sehen, wenn man ein kleines Stückchen der Haut herausschneiden und herausnehmen würde — da würde auch in der Haut etwas auftreten, was nicht normal wäre -, oder selbst wenn man den Nagel der großen Zehe abschneiden würde. Da ist auch eine sehr feine Gliederung, an der man sehen könnte, wenn Leber oder Niere oder Lunge nicht in Ordnung wären, wenn auch wieder ein wenig anders. Also wenn einer besonders gescheit wäre und statt der Irisuntersuchung eine Untersuchung der abgeschnittenen Fingernägel zum Beispiel machen würde — es würde ja viel schwerer sein, weil es nicht so ausgesprochen ist —, so würde er auch da die gesunde oder kranke Beschaffenheit erkennen können. Beim Auge ist es nur auffällig, weil das Auge ein besonders zartes Gebilde ist, und da ist nun wieder das Zarte leicht zu ergreifen. Beim Auge kommt es am stärksten heraus. Aber Sie können ja auch sonst sehen, daß an der Oberfläche des Körpers die Dinge am stärksten herauskommen. Ich habe zum Beispiel selten gesehen, daß einer, wenn er einen besonders feinen Stoff befühlen will oder so irgend etwas, daß er das auf die Schultern legt. Wenn das der Fall wäre, daß das vorteilhafter wäre, würden wir daher schon etwas machen, daß, wenn wir etwas Feines befühlen sollten, wir uns da oben auf der Schulter frei machen könnten und es befühlen könnten. Aber das hilft uns nichts. Wir befühlen es mit den Fingerspitzen. Und an den Fingerspitzen sind wir für das Gefühl von Sachen besonders empfindlich. Da haben Sie ja wieder dieselbe Sache. Wenn das Nervensystem dasjenige wäre, was eigentlich das Gefühl ausmacht, müßte man dort, wo man in der Nähe vom Gehirn ist, am meisten fühlen. Aber wir fühlen ja gar nicht in der Nähe vom Gehirn am meisten, sondern da, wo es vom Gehirn am weitesten weg ist, fühlen wir, gerade in den äußersten Fingerspitzen, weil das Ich am meisten an der Oberfläche des Körpers sitzt. Dasjenige, was der Mensch in seinem Innern als Ich ist, das kann man an der äußersten Oberfläche am besten erkennen. Daher kann man, weil die Augen am allermeisten an der Oberfläche sind, auch da am allermeisten erkennen, weil die Augen zart sind und vom Hirn weg sind.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/352/1924-02-02/p021.json
Cite: GA 352/1924-02-02/p021 · edition original