Über die Verbindung der höheren Wesensglieder mit dem physischen Leib — Über die Wirkung von Opium und Alkohol

GA 352/1924-02-20/p024 ·1924-02-20 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

In diesen Sachen ist auch viel Mißbrauch getrieben worden. Wenn Sie so ein bißchen Lebensbeobachter gewesen sind vor dem Krieg, da konnten Sie auf den Reisen in jedem Hotel oder dort, wo sonst die Briefe aufgeschichtet sind, daß sich das die Leute abholen, daß sie es nehmen, überall immer wieder dasselbe finden: irgend etwas, was die Aufschrift hatte von einer amerikanischen Gesellschaft. Da steckte überall dasselbe. Was war dazumal geschehen? Nun, da war eine amerikanische Gesellschaft begründet worden, die hatte Filialen. In Berlin war eine solche Filiale, in Frankfurt, in den meisten größeren Städten waren solche Filialen. Es muß also das Geschäft gut gegangen sein! Da wurde angekündigt, daß derjenige, der Macht über die Menschheit gewinnen will, Büchelchen kriegt von dieser amerikanischen Gesellschaft. Er braucht nur so und so viel Geld einzuschicken, dann kriegt er Büchelchen, und in diesen Büchelchen ist die Anweisung darinnen, wie er Macht über die Menschheit kriegt. Nun, alle Reisenden, alle Agenten, die haben sich gedacht: Das ist doch eine schöne Sache, Macht über die Menschen zu gewinnen. Donnerwetter, da werden wir viel verkaufen, da wird uns kein Mensch widerstehen können! — Diese Büchelchen fingen gleich damit an, daß Anweisungen darinnen waren, wie der Betreffende seine Augen so einstellen solle, daß er dem andern nicht in die Augen schaut, sondern auf den Punkt, der zwischen den Augen liegt, soll er starr hinblicken; dann wird der andere magnetisiert, und er kommt unter seinen Einfluß und tut, was der will. Nun, wissen Sie, die Weinreisenden und die andern Reisenden haben sich das alles kommen lassen. Und man konnte sehen, daß also namentlich in Hotels, wo solche Agenten gewohnt haben, immer massenhaft diese Briefe und Sachen verschickt wurden. Die meisten haben ja deshalb doch nicht bessere Geschäfte gemacht, sondern die amerikanische Gesellschaft hat dabei die guten Geschäfte gemacht. Den meisten hat es ja nichts genützt, Einigen könnte es aber doch genützt haben; und die haben etwas getan, was unter keinen Umständen ein Mensch machen soll, denn das ist eine Versündigung gegen die menschliche Freiheit. Kein Mensch darf anstreben, über einen andern Menschen auf eine solche Art eine Macht zu bekommen! Und wenn es ihm die Natur gibt, wie jenem Menschen, von dem ich Ihnen erzählt habe, so kann es ja unter Umständen schlimm genug werden, aber es ist dann die Natur, die so etwas gibt wie einen besonderen Blick; da wird es viel weniger mißbraucht als bei demjenigen, der die Sache erlernen will. Nun, während des Krieges haben diese Torheiten abgenommen, und sie sind jetzt eigentlich gar nicht mehr vorhanden. Aber man kann schon sagen, gerade von diesen Dingen kann man auf der einen Seite lernen, wie die Menschen selber das Geistige ausnützen, und wie die ärgsten Materialisten - denn das waren ja zumeist Materialisten, die sich da diese Dinge haben kommen lassen — da, wo es sich darum handelt, mit dem Geist Profit zu machen, auch an den Geist sich wenden. Sie glauben nicht an ihn, aber sie wenden sich an den Geist, wenn es sich darum handelt, mit dem Geist Profit zu machen! Ich habe Sie also darauf aufmerksam machen wollen, wie ungeheurer Mißbrauch mit diesen Dingen getrieben werden kann.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/352/1924-02-20/p024.json
Cite: GA 352/1924-02-20/p024 · edition original