Über die Verbindung der höheren Wesensglieder mit dem physischen Leib — Über die Wirkung von Opium und Alkohol
Solche Leute, die auf diese Weise nicht überzeugen, sondern überreden wollen, die gebrauchen meistens das als Sätze und Worte, was den andern gefällt, während der, der die Wahrheit sagen will, nicht immer das sagen kann, was den andern gefällt. Denn in unserer Zeit ist es sogar so, daß die Wahrheit den Menschen in der Regel nicht gefällt. Also schon an der Art und Weise, wie der Mensch seine Sätze schreibt, kann man sehen: Wenn der Mensch seine Sätze so schreibt, daß sie logisch sind, daß der eine Satz aus dem andern folgt, dann wird er auf das Ich des andern Menschen wirken, das frei ist. Wenn der Mensch seine Sätze so schreibt, daß er nicht logisch ist, sondern vor allen Dingen darauf bedacht ist, das zu schreiben, was dem andern gefällt, was bei dem andern die Begierden, Triebe, Instinkte, Leidenschaften erregt, dann wirkt er auf den Astralleib des andern, der nicht frei ist. Und das ist ein Kennzeichen unserer Zeit, daß so vielfach von Freiheit geredet wird, und daß die größte Sünde gegen die Freiheit eigentlich heute ausgeht von dem öffentlichen Reden in Wort und Schrift. Es wird eigentlich überall im öffentlichen Reden Wort und Schrift, Wort und Schreiben mißbraucht.
Cite:
GA 352/1924-02-20/p027 · edition original