{"corpus":"steiner","locus":"GA 353/1924-04-12/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber um so etwas handelt es sich in diesem Falle doch nicht ganz, denn der Mann behauptet, daß er bei allen Personen die Fähigkeit hervorrufen kann, mit der Haut wirklich lesen zu lernen. Nun ist jene Beschreibung nicht ganz genau so, daß man alle Einzelheiten prüfen kann. Wenn einmal eine wissenschaftliche Begründung darüber erschienen ist, läßt sich eher sagen, ob es stimmt, wenn man Ihnen eine Seite von einem Buch auf den Bauch legt, ob Sie das lesen können. Man muß eben erst erkennen, ob es sich da um ein ganz feines Gefühlsvermögen, Tastvermögen handelt, das man ausbilden kann, oder ob der Mann schwindelt. Was dahintersteckt, das läßt sich aus der Beschreibung noch nicht entnehmen. Mich hat bei dieser Mitteilung die Sache gar nicht so sehr verwundert, weil ich mir denken kann, daß es möglich sein könnte; aber was mich verwundert hat, das ist die dumme Bemerkung, die die Journalisten daran geknüpft haben: wenn das wirklich wahr wäre, dann müßte es längst gefunden sein. - Kann einer sagen, wenn das Telephon zum Beispiel gefunden wird: Wenn das wirklich wahr wäre, dann müßte es längst gefunden sein, dann müßte es die Menschheit längst kennen? Das hat mich viel mehr verwundert, daß solch ein Ausspruch möglich ist, als die Sache selber. Die Sache selber ist gar nicht so wunderbar, denn man kann als Mensch sehr viel für seine Gefühls-, für seine Tastorgane lernen. Denn die Menschen bemerken nur nicht, was davon abhängt, daß sie die Augen auf etwas richten in der Beurteilung der Gegenstände. Zum Beispiel die Finger können sehr fein ausgebildet werden für die Wahrnehmung von allem möglichen. Also ein Urteil darüber, ob der Mann, der da behauptet, daß er jeden Körperteil dazu bringen kann, daß er sieht, das aus langjähriger Abrichtung dazu bringt oder nicht, muß aus wirklicher Wissenschaftlichkeit hervorgehen. Ich habe darüber deutsche, englische und französische Zeitungsnachrichten gelesen; es läßt sich daraus nicht entnehmen, ob der Mann wahnsinnig oder ein Schwindler oder ein wirklich wissenschaftlicher Mensch ist. Das ist die Sache. Nun möchte ich Ihnen also über das Osterfest noch etwas sagen. Das Osterfest ist gerade deshalb so geeignet, daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir über das Mysterium von Golgatha gesprochen haben, weil ja, wie Sie wissen, das Osterfest ein sogenanntes bewegliches Fest ist. Es wird jedes Jahr an einem anderen Zeitpunkte gefeiert. Es schwankt. Warum schwankt es? Aus dem Grunde schwankt es, weil man es nicht nach irdischen Verhältnissen festsetzt, sondern man setzt es fest nach himmlischen Verhältnissen. Man setzt es dadurch fest, daß man sich frägt: Wann ist der Frühlingsanfang? Der Frühlingsanfang ist natürlich immer am 21. März. Also bevor der Frühling anfängt, setzt man nicht das Osterfest an. Dann wartet man aber - der Frühlingsanfang ist also immer am 21. März -, bis der Vollmond kommt. Wenn der Vollmond kommt, wartet man wieder bis zum nächsten Sonntag und setzt als Ostersonntag denjenigen Sonntag fest, der der erste Sonntag ist nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Nun kann der erste Vollmond auf den 22. März fallen; dann ist der nächste Sonntag für uns der Ostersonntag, weil er der erste Sonntag ist nach dem Frühlingsvollmond. Dann ist das Osterfest sehr, sehr früh. Es kann aber auch der Vollmond erst neunundzwanzig Tage nach dem 21. März fallen. Wenn zum Beispiel der Vollmond am 19. März ist, kommt erst der Frühlingsanfang, und dann nach achtundzwanzig Tagen der Vollmond. Dann ist erst der nächste Sonntag nach vier Wochen der Ostersonntag. Dann fällt also das Osterfest weit in den April hinein. So daß das Osterfest verschiebbar ist zwischen dem 21. März und dem Ende des April. Da schwankt es hin und her.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Über das Osterfest","site_heading":null,"date":"1924-04-12","location":null,"word_count":601,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/353/1924-04-12/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}