Über das Osterfest
Die Leute, die das Adonisfest eingerichtet haben, haben sich nun gesagt: Die Menschen sollen wissen, daß der Mensch nicht nur stirbt, wenn sein physischer Leib stirbt, sondern daß er nach drei Tagen in der geistigen Welt wieder aufersteht. - Und damit dem Menschen das jedes Jahr zum Bewußtsein kommt, deshalb ist das Adonisfest eingerichtet worden. Beim Adonisfest im Herbste sagte man: Seht ihr, die Natur stirbt ab. Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Erde bedeckt sich mit Schnee, Kälte, schneidende Winde kommen, die Erde verliert ihre Fruchtbarkeit; sie sieht gerade so aus, als wenn der physische Mensch stirbt. - Aber wenn man auf die Erde schaut, dann muß man bis zum Frühling warten, wenn sie wieder auferstehen soll. Wenn man auf den Menschen schaut: der steht in der Seele, im Geiste nach drei Tagen wieder auf. Das muß zum Bewußtsein kommen. Deshalb Totenfest, und gleich darauf Auferstehungsfest - aber im Herbste, wo man dem Menschen klarmachen kann: Der Mensch ist der Gegensatz der Natur. Die Natur muß sich fügen, bleibt den ganzen Winter tot, weil sie nur Natur ist; der Mensch lebt fort nach dem Tode in der geistigen Welt, tritt in Gegensatz zur Natur. Wenn die Natur abblättert, schneeig wird, wenn die Natur die kalten Winde hat, dann muß man den Menschen aufmerksam machen: Du bist anders als die Natur; wenn du dahinstirbst, stehst du in drei Tagen wiederum auf.
Cite:
GA 353/1924-04-12/p020 · edition original