{"corpus":"steiner","locus":"GA 353/1924-04-12/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun, in den ersten christlichen Jahrhunderten wurde auch nicht ein Österfest so gefeiert wie jetzt, sondern erst allmählich, im 3., 4. Jahrhundert kam es auf. Aber da gerade haben die Menschen nichts mehr verstanden von der geistigen Welt, gar nichts mehr verstanden, sondern sie haben nur noch in die Natur schauen wollen. Sie haben sich nur noch um die Natur bekümmert. Und da haben sie gesagt: Ja, wie können wir im Herbst die Auferstehung feiern? Da aufersteht ja nichts! - Daß der Mensch aufersteht, haben sie nicht mehr gewußt, und deshalb haben sie sich gesagt: Im Herbst aufersteht ja nichts, der Schnee bedeckt alles; im Frühling aufersteht alles: da macht man das Osterfest im Frühling. - Das ist schon etwas, was aus dem Materialismus hervorgegangen ist, wenn auch noch aus einem Materialismus, der auf den Himmel hinaufschaute und das Osterfest nach Sonne und Mond fixierte. Im 3., 4. nachchristlichen Jahrhunderte war schon der Materialismus da, aber wenigstens noch ein Materialismus, der in die Welt hinausschaute, nicht der Regenwurm-Materialismus, wo der Mensch nur auf die Erde schaut - Regenwurm-Materialismus aus dem Grunde, weil die Regenwürmer ja immer unter der Erde sind und höchstens beim Regen einmal herauskommen. Und so ist es beim heutigen Menschen; die heutigen Menschen schauen auf nichts mehr als auf das, was in der Erde ist. In der ersten Zeit, wo man das Osterfest feierte, war wenigstens der Materialismus noch so, daß man geglaubt hat: Die Millionen Sterne, die haben einen Einfluß auf den Menschen. - Das ist auch vergessen worden vom 15. Jahrhundert an. Und so ist das Osterfest auf den Frühling gekommen. Und es konnte auf den Frühling kommen aus dem Grunde, weil ein gewisses Bestreben vorhanden war bei den Christen, die alten Wahrheiten ganz aus der Welt zu schaffen. Das habe ich Ihnen schon dargestellt, als ich geredet habe über das Mysterium von Golgatha: daß man eigentlich die alten Wahrheiten aus der Welt zu schaffen bestrebt war. Und so sind denn im 8., 9. nachchristlichen Jahrhunderte die Menschen ganz unwissend geworden darüber, daß das Erscheinen des Christus überhaupt etwas mit der Sonne zu tun hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Über das Osterfest","site_heading":null,"date":"1924-04-12","location":null,"word_count":350,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/353/1924-04-12/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}