{"corpus":"steiner","locus":"GA 353/1924-04-12/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das wünschte die Kirche nicht, daß das die Menschen wissen! Die Kirche wollte nicht die Wissenschaft von dem Christus Jesus, sondern nur dasjenige, was sie befiehlt. Und so ist es denn geschehen, daß, als der Kaiser Julian einen Zug nach Asien unternommen hat, er meuchlings ermordet worden ist, um ihn aus der Welt zu schaffen. Das hat dann dazu geführt, daß man immer diesen Julian «Julianus Apostata» nennt, den Abtrünnigen, den Ketzer: Julianus der Ketzer! Aber er wollte eben die Verbindung des Christentums mit den alten Erkenntnissen für die Menschen bestehen lassen. Er dachte sich, das Christentum kommt besser fort, wenn es Weisheitsinhalt hat, als wenn es nur die Befehle der Priester in sich hat, wenn die Menschen nur glauben sollen, was die Priester sagen. - Und so ist es denn gekommen, daß in der Zeit, als das Osterfest auf den Frühling verlegt worden ist, die Menschen zwar noch gewußt haben: das Osterfest hängt mit einer Auferstehung zusammen. Wenn sie auch nichts mehr gewußt haben von der Auferstehung des Menschen, so haben sie doch die Auferstehung der Natur gefeiert. Aber dann ist das auch vergessen worden, dort, wo das Osterfest noch gefeiert worden ist, wo man aber nicht mehr gewußt hat, was es bedeutet. Und heute ist es soweit, daß die Leute sich fragen: Warum muß das Osterfest nach Sonne, Mond und Sternen festgesetzt werden? Es soll doch einfach der erste Sonntag im April sein, dann kommen wir auch mit der Buchhaltung besser zurecht! - Nach kommerziellen Verhältnissen soll es heute festgesetzt werden! Eigentlich sind diejenigen Menschen, die dieses Osterfest nach kommerziellen Verhältnissen festsetzen wollen, ehrlicher als die andern; die andern setzen das Osterfest nach dem Himmel fest, aber wissen nichts mehr davon. Diejenigen sind die ehrlicheren, die von ihrem Standpunkte aus sagen: Das brauchen wir nicht, diese Festsetzung. Aber das ist eben das Traurige, daß wir nur deshalb ehrlich werden können, weil niemand mehr weiß, wie der Zusammenhang wirklich ist. Wir haben heute die Aufgabe, wiederum hinzuweisen darauf, daß das Geistige überall das Maßgebende ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Über das Osterfest","site_heading":null,"date":"1924-04-12","location":null,"word_count":336,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/353/1924-04-12/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/353/1924-04-12/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}