Über das Osterfest
Nun können wir nicht gleich die Welt auf den Kopf stellen; die Menschen würden sich auch gar nicht begeistern dafür, das Osterfest auf den Herbst zu verlegen. Aber wir können doch einen Sinn damit verbinden, daß sich der Mensch erinnert daran: Der Mensch legt seinen physischen Leib ab, wenn er durch den Tod geht, schaut zurück auf sein Erdenleben. Er legt dann den Ätherleib ab, ist dann rein geistig-seelisch in der geistigen Welt, aufersteht in der geistigen Welt. Damit aber vertieft sich auch wiederum die Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Denn das Mysterium von Golgatha zeigt eigentlich in der äußeren Wirklichkeit, was immer im Bilde mit dem Adonisfest gezeigt worden ist. Die Alten haben ein Bild gehabt. Die Christen haben das geschichtliche Ereignis. Aber das geschichtliche Ereignis fließt ebenso ab wie die alte Bildlichkeit. Bei dem Adonisfest hat man das Bild des Adonis versenkt, nach drei Tagen wieder auferstehen lassen. Es war ein richtiges Osterfest. Dann ist aber das wirklich geschehen, was man immer im Bilde gemacht hat: Der Christus war in dem Jesus; er ist gestorben. Er ist wieder auferstanden, in der Art, wie ich es Ihnen erzählt habe. Und daran sollte man sich jetzt nur noch erinnern, jedes Jahr das Erinnerungsfest an dieses Ostern haben.
Cite:
GA 353/1924-04-12/p029 · edition original