Über das Osterfest

GA 353/1924-04-12/p030 ·1924-04-12 · original (original)
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Das wäre zunächst ganz gut gewesen; denn warum haben denn die Leute früher immer ein Bild bei dem Adonisfest gehabt? Weil sie eine sinnliche Anschauung brauchten. Gerade als man in den alten Zeiten noch geistig die Welt anschaute, wollte man in der Sinnlichkeit ein Bild haben. Als aber der Christus durch das Mysterium von Golgatha gegangen war, da sollte man kein Bild mehr haben, sondern sich nur im Geiste noch erinnern an das, was dort geschehen war. Es sollte mehr geistig gefeiert werden, das Osterfest. Nicht ein heidnisches Bild sollte man sich machen, sondern nur in der Seele sich erinnern. Dadurch, dachte man - und es bestanden ja noch Mysterien zur Zeit des Christus Jesus -, wird das Osterfest gerade vergeistigt. Denn schließlich, was war es denn mit dem alten Adonisfeste? Ja, sehen Sie, Sie in Europa können ja schließlich gar nicht ganz klar sehen, was solche Feste den alten Heiden waren. Denn wenn man bei Ihnen ein solches Fest wie das Adonisfest feiern würde, so würden Sie sagen: Das ist ja nur ein Bild, überhaupt ein Bild für diejenigen, die eingeweiht waren in den Mysterien; aber für die weitesten Kreise des Volkes wurde alljährlich die Statue, der Gott, hervorgeholt und untergetaucht. - Es ist daraus hervorgegangen, was man Fetischismus nennt. Solch eine Statue war ein Fetisch, eine Statue, in der ein Gott ist; die ganze Anbetung eines solchen Gegenstandes nannte man Fetischismus. Davon mußte man natürlich abkommen. Aber in einer gewissen Beziehung ist das im Christentum geblieben; denn das, was ich Ihnen als die Monstranz aufgezeichnet habe, worauf das sogenannte Sanktissimum, die Hostie, sitzt, das wird im Katholizismus als der wirkliche Christus verehrt. Man sagt: Auch physisch verwandelt sich das Brot und der Wein in den Leib und das Blut Christi. - Es ist eben noch ein Überbleibsel, nicht vom aufgeklärten Heidentum, das überall dahinter das Geistige sah, sondern von dem heruntergekommenen Heidentum, wo man den Fetischismus hatte, wo man die Bildsäule für den Gott nahm.

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