Über das Osterfest
Und statt daß die Sache geistig geworden wäre, ist sie leider erst recht materialistisch geworden; sie ist äußerlich geworden, formell geworden. Allmählich, im 3., 4. Jahrhundert ist das aufgekommen, daß, wenn der Karfreitag kam, die Priester gebetet haben; die Menschen wurden in allerlei Stimmungen versetzt. Und um drei Uhr nachmittags, dem Zeitpunkt, wo der Christus gestorben sein soll, da hörten dann die Glocken auf zu läuten. Alles war still. Und dann wurde doch wiederäußerlich, geradeso wie das alte Adonisfest gefeiert worden ist, nun der Crucifixus, der Christus am Kreuze, versenkt zunächst, später nur eben mit etwas bedeckt; und das Osterfest wurde dann nach drei Tagen das Auferstehungsfest. Es ist aber dasselbe, was das alte Adonisfest war, so wie es damals war. Es ist schon in der Art, wie man das feiert, nach und nach entstanden das Antreten der Herrschaft über die Seelen von Rom aus. Denn in manchen Gegenden, zum Beispiel dort, wo ich aufgewachsen bin - ich weiß nicht, ob sich es hier auch so vollzieht -, da ist es so: Wenn der Karfreitag da ist und der Christus also aufgebahrt ist, dann ziehen die Buben mit ihren Rätschen, mit den Instrumenten, die anstelle der Glocken sind, herum und rätschen und sprechen dabei die Worte:
Cite:
GA 353/1924-04-12/p033 · edition original