Dreizehnter Vortrag
Also nun die Kartoffel! Wenn heute irgend jemand sagen würde, ein Naturwissenschafter oder ein Mediziner solle sagen, wie eigentlich die Kartoffel wirkt, wenn sie gegessen wird — was tut er? Sie wissen ja, die Kartoffel ist allmählich ein Nahrungsmittel geworden, und es ist außerordentlich schwer, in manchen Gegenden die Leute davon abzubringen, daß sie sich fast ausschließlich von Kartoffeln nähren. Nun, was tut der heutige Naturforscher, wenn er die Kartoffel auf ihren Nährwert prüft? Ja, er untersucht, was da in der Kartoffel an Stoffen drinnen ist. Das kann man ja natürlich im Laboratorium untersuchen, was in der Kartoffel an Stoffen drinnen ist. Man findet da Kohlehydrate, die also bestehen aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, die in einer bestimmten Weise angeordnet sind. Man kommt noch dazu, einzusehen, daß sich im menschlichen Körper diese Stoffe umwandeln, daß sie zuletzt zu einer Art von Zucker werden, aber man kommt nicht weiter damit. Man kann auch nicht weiterkommen. Denn, sehen Sie, wenn man irgendeinem Tier, das man mit Milch füttern will, Milch gibt, so kann es unter Umständen ganz gut gedeihen. Wenn man aber die Milch in ihre chemischen Bestandteile zerlegt und untersucht, aus was sie besteht, und nun statt der Milch dem Tiere diese chemischen Bestandteile gibt, krepiert das Tier dabei, kann sich nicht ernähren. Worauf beruht das? Das beruht darauf, daß noch etwas anderes in den chemischen Bestandteilen in der Milch wirkt. Und so wirkt auch in der Kartoffel noch etwas anderes als die bloßen chemischen Bestandteile. Das ist das Geistige dabei. Und überall, in allem in der Natur wirkt das Geistige.
Cite:
GA 354/1924-09-20/p013 · edition original