Anthroposophie Und Mystik
Der anthroposophische Forscher kommt dadurch zur Anschauung eines feineren, ätherischen, eines Bildekräfteleibes, der als ein höherer mit dem physischen Menschenleibe verbunden ist. Der Mystiker kommt in ein Träumen über den physischen Leib hinein; der anthroposophische Forscher kommt zu einer überphysischen Wirklichkeit. Dieser Bildekräfteleib lebt nicht mehr in den räumlichen Formen; er lebt in einem rein zeitlichen Dasein. Er ist gegenüber dem räumlichen physischen Leib ein Zeitleib. Er stellt zunächst wie in einem auf einmal überschaubaren Tableau die Wirkungskräfte, die am physischen Leibe im Erdensein des Menschen tätig waren, in ihrem zeitlichen Verlaufe dar. Er unterscheidet sich deutlich von einer bloßen umfassenden Erinnerungsvorstellung des bisherigen Erdenlebens eines Menschen in einem gewissen Augenblicke. Eine solche Erinnerungsvorstellung stellt mehr die Art dar, wie die Welt und Menschen an den Erinnernden herangetreten sind; dieses charakterisierte Lebenstableau enthält aber die Summe und das Durcheinanderwirken der aus dem Innern des Menschenwesens kommenden Impulse, durch die der Mensch an die Welt und an andere Menschen in Sympathie und Antipathie herangetreten ist. Es gibt dadurch die Art, wie sich der Mensch das Leben gestaltet hat. Es verhält sich dies Lebenstableau zur Erinnerungsvorstellung wie der Eindruck im Petschaft zum Abdruck im Siegellack.
Cite:
GA 36/58_anthroposophy_and_mysticism/p007 · edition original