An Rosa Mayreder
Sie wissen es vielleicht, daß ich keineswegs die Negation berufsmäßig betreibe. Dessenungeachtet kommen an den verschiedensten - fast an allen - Stellen meines Buches Ansichten zutage, die dem gerade entgegengesetzt sind, was gegenwärtig Überzeugung der Menschen ist. Wenn man so allein steht, dann weiß man eine Gesinnungsähnlichkeit wie die mit der Ihrigen erst recht zu schätzen. Das Zusammenwirken aller Ihrer Seelenkräfte gibt eine Resultierende, die kennengelernt zu haben ich als einen der größten Glücksfälle meines Lebens betrachten muß. Der erste Teil meines Buches enthält die Begründung einer radikalen Diesseitslehre und als Stütze derselben eine Widerlegung des größten Unsinns, der je in der Welt die Geister beherrscht hat: Der modern-physiologischen Lehre von der subjektiven Natur der Sinnesempfindung. Der zweite Teil begründet und entwickelt den ethischen Individualismus in dem Sinne einer Freiheitsanschauung und der Emanzipation des höheren Menschheitsbewußtseins von den Fesseln jeglicher Autorität. Ich hoffe, daß Sie mit den Ausführungen auf Seite 225 und 226 über das Weib einverstanden sein werden. Was die Darstellungsart betrifft, so habe ich mich bemüht, mich selbst von jeder Art von Schule zu emanzipieren.