{"corpus":"steiner","locus":"GA 4/l03/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das Gefühl, einen solchen festen Punkt zu haben, veranlaßte den Begründer der neueren Philosophie, Renatus Cartesius, das ganze menschliche Wissen auf den Satz zu gründen: *Ich denke, also bin ich*. Alle andern Dinge, alles andere Geschehen ist ohne mich da; ich weiß nicht, ob als Wahrheit, ob als Gaukelspiel und Traum. Nur eines weiß ich ganz unbedingt sicher, denn ich bringe es selbst zu seinem sichern Dasein: mein Denken. Mag es noch einen andern Ursprung seines Daseins haben, mag es von Gott oder anderswoher kommen; daß es in dem Sinne da ist, in dem ich es selbst hervorbringe, dessen bin ich gewiß. Einen andern Sinn seinem Satze unterzulegen hatte Cartesius zunächst keine Berechtigung. Nur daß ich mich innerhalb des Weltinhaltes in meinem Denken als in meiner ureigensten Tätigkeit erfasse, konnte er behaupten. Was das daran-gehängte: *also bin ich* heißen soll, darüber ist viel gestritten worden. Einen Sinn kann es aber nur unter einer einzigen Bedingung haben. Die einfachste Aussage, die ich von einem Dinge machen kann, ist die, daß es *ist*, daß es existiert. Wie dann dieses Dasein näher zu bestimmen ist, das ist bei keinem Dinge, das in den Horizont meiner Erlebnisse eintritt, sogleich im Augenblicke zu sagen. Es wird jeder Gegenstand erst in seinem Verhältnisse zu andern zu untersuchen sein, um bestimmen zu können, in welchem Sinne von ihm als einem existierenden gesprochen werden kann. Ein erlebter Vorgang kann eine Summe von Wahrnehmungen, aber auch ein Traum, eine Halluzination und so weiter sein. Kurz, ich kann nicht sagen, in welchem Sinne er existiert. Das werde ich dem Vorgange selbst nicht entnehmen können, sondern ich werde es erfahren, wenn ich ihn im Verhältnisse zu andern Dingen betrachte. Da kann ich aber wieder nicht *mehr* wissen, als wie er im Verhältnisse zu diesen Dingen steht. Mein Suchen kommt erst auf einen festen Grund, wenn ich ein Objekt finde, bei dem ich den Sinn seines Daseins aus ihm selbst schöpfen kann. Das bin ich aber selbst als Denkender, denn ich gebe meinem Dasein den bestimmten, in sich beruhenden Inhalt der denkenden Tätigkeit. Nun kann ich von da ausgehen und fragen: Existieren die andern Dinge in dem gleichen oder in einem andern Sinne?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"III. Das Denken im Dienste der Weltanschauung","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":361,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l03/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["AP1986","GPP1916","RSP1964","RSPC1949","RSPI1963"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l03/p019"},{"lang":"en","edition":"RSP1964","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l03/p019","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"AP1986","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l03/p019?edition=AP1986","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"RSPC1949","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l03/p019?edition=RSPC1949","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"RSPI1963","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l03/p019?edition=RSPI1963","paragraph_aligned":true}]}