{"corpus":"steiner","locus":"GA 4/l07/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Monismus kommt gar nicht in die Lage, außer Wahrnehmung und Begriff nach anderen Erklärungsprinzipien der Wirklichkeit zu fragen. Er weiß, daß sich im ganzen Be reiche der Wirklichkeit *kein Anlaß* dazu findet. Er sieht in der Wahrnehmungswelt, wie sie unmittelbar dem Wahrnehmen vorliegt, ein halbes Wirkliches; in der Vereinigung derselben mit der Begriffswelt findet er die volle Wirklichkeit. Der metaphysische Realist kann dem Anhänger des Monismus einwenden: Es mag sein, daß für deine Organisation deine Erkenntnis in sich vollkommen ist, daß kein Glied fehlt; du weißt aber nicht, wie sich die Welt in einer Intelligenz abspiegelt, die anders organisiert ist als die deinige. Die Antwort des Monismus wird sein: Wenn es andere Intelligenzen gibt als die menschlichen, wenn ihre Wahrnehmungen eine andere Gestalt haben als die unsrigen, so hat für mich Bedeutung nur dasjenige, was von ihnen zu mir durch Wahrnehmen und Begriff gelangt. Ich bin durch mein Wahrnehmen, und zwar durch dieses spezifische menschliche Wahrnehmen als Subjekt dem Objekt gegenübergestellt. Der Zusammenhang der Dinge ist damit unterbrochen. Das Subjekt stellt durch das Denken diesen Zusammenhang wieder her.Damit hat es sich dem Weltganzen wieder eingefügt. Da nur durch unser Subjekt dieses Ganze an der Stelle zwischen unserer Wahrnehmung und unserem Begriff zerschnitten erscheint, so ist in der Vereinigung dieser beiden auch eine wahre Erkenntnis gegeben. Für Wesen mit einer andern Wahrnehmungswelt (zum Beispiel mit der doppelten Anzahl von Sinnesorganen) erschiene der Zusammenhang an einer andern Stelle unterbrochen, und die Wiederherstellung müßte demnach auch eine diesen Wesen spezifische Gestalt haben. Nur für den naiven und den metaphysischen Realismus, die beide in dem Inhalte der Seele nur eine ideelle Repräsentation der Welt sehen, besteht die Frage nach der Grenze des Erkennens. Für sie ist nämlich das außerhalb des Subjektes Befindliche ein Absolutes, ein in sich Beruhendes, und der Inhalt des Subjektes ein Bild desselben, das schlechthin außerhalb dieses Absoluten steht. Die Vollkommenheit der Erkenntnis beruht auf der größeren oder geringeren Ähnlichkeit des Bildes mit dem absoluten Objekte. Ein Wesen, bei dem die Zahl der Sinne kleiner ist, als beim Menschen, wird weniger, eines, bei dem sie größer ist, mehr von der Welt wahrnehmen. Das erstere wird demnach eine unvollkommenere Erkenntnis haben als das letztere.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"VII. Gibt es Grenzen des Erkennens?","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":363,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l07/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["AP1986","GPP1916","RSP1964","RSPC1949","RSPI1963"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l07/p029"},{"lang":"en","edition":"RSP1964","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l07/p029","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"AP1986","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l07/p029?edition=AP1986","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"RSPC1949","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l07/p029?edition=RSPC1949","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"RSPI1963","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l07/p029?edition=RSPI1963","paragraph_aligned":true}]}