{"corpus":"steiner","locus":"GA 4/l10/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Damit ist aber die Stufe des naiven Bewußtseins bereits verlassen, und wir sind eingetreten in die Region, wo die Sittengesetze als Normen verselbständigt werden. Sie haben dann keinen Träger mehr, sondern werden zu metaphysischen Wesenheiten, die durch sich selbst existieren. Sie sind analog den unsichtbar-sichtbaren Kräften des metaphysischen Realismus, der die Wirklichkeit nicht durch den Anteil sucht, den die menschliche Wesenheit im Denken an dieser Wirklichkeit hat, sondern der sie hypothetisch zu dem Erlebten hinzudenkt. Die außermenschlichen Sittennormen treten auch immer als Begleiterscheinung dieses metaphysischen Realismus auf. Dieser metaphysische Realismus muß auch den Ursprung der Sittlichkeit im Felde des außermenschlichen Wirklichen suchen. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Ist das vorausgesetzte Wesen als ein an sich gedankenloses, nach rein mechanischen Gesetzen wirkendes gedacht, wie es das des Materialismus sein soll, dann wird es auch das menschliche Individuum durch rein mechanische Notwendigkeit aus sich hervorbringen samt allem, was an diesem ist. Das Bewußtsein der Freiheit kann dann nur eine Illusion sein. Denn während ich mich für den Schöpfer meiner Handlung halte, wirkt in mir die mich zusammensetzende Materie und ihre Bewegungsvorgänge. Ich glaube mich frei; alle meine Handlungen sind aber tatsächlich nur Ergebnisse der meinem leiblichen und geistigen Organismus zugrunde liegenden materiellen Vorgänge. Nur weil wir die uns zwingenden Motive nicht kennen, haben wir das Gefühl der Freiheit, meint diese Ansicht. «Wir müssen hier wieder hervorheben, daß dieses Gefühl der Freiheit auf der Abwesenheit äußerer zwingender Motive... beruht.» «Unser Handeln ist necessitiert wie unser Denken.» (Ziehen, Leitfaden der physiologischen Psychologie Seite 207 f.)[^1]","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Freiheitsphilosophie und Monismus","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":251,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l10/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["AP1986","GPP1916","RSP1964","RSPC1949","RSPI1963"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/4/l10/p003"},{"lang":"en","edition":"RSP1964","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l10/p003","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"AP1986","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l10/p003?edition=AP1986","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"GPP1916","edition_basis":"Steiner 1894 first edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l10/p003?edition=GPP1916"},{"lang":"en","edition":"RSPC1949","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l10/p003?edition=RSPC1949","paragraph_aligned":true},{"lang":"en","edition":"RSPI1963","edition_basis":"Steiner 1918 revised edition","is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/4/l10/p003?edition=RSPI1963"}]}