Vorentwürfe: Nicht in das Drama aufgenommenes Bild
THOMASIUS: Erhabner Herrscher im Schönheitsglanz, Der du erstrahlst in einer Würde, Die im Sonnenauge offenbart Der Welten allertiefste Gründe Und zu deiner Offenbarung nichts bedarfst Als nur deines eignen Willens Wesen: Von deinen Lippen sprechen nicht Gebote, Denen zu folgen als Pflicht erscheint. Im Innern muß sich regen der Seele, Die zu dir sich verständig wendet, In Freiheit jeder Trieb, Zu sein wie du selbst. Denn solches Wesen wird Ein Bild in sich ruhender Vollendung. Hier, wo des Erdenschleiers Trübnis Von mir genommen ist, Versteh ich erst dein wahres Wesen. In Menschenwirrnis mußt Du dich anders zeigen, Als du in Wahrheit bist. Dort scheinen zu widersetzen sich Deine Triebe des Menschen höherm Wesen, Und würdig scheint das Leben Erst zu sein, wenn es bekämpft, Was von dir stammt. Doch wenn in Edelmetall Umgeformt diese Triebe werden, Wie sie hier in deiner echten Gestalt erscheinen So bilden sie ein höchstes in der Welt. Sie sichern den Wesen, Die sie besitzen, hehren Lichtesglanz, Daß es der Welten Schönheit In selbsteigner Kraft Sich würdig eingeselle.