Entwürfe, fragmentarisch, zum ersten, zweiten, fünften, siebenten, achten und zehnten Bild

GA 44/04_02/p009 · original (original)
Author: STRADER

STRADER: Man sollte an Professor Capesius' schwerem Schicksal erkennen, was durch Thomasius geschehn. Für meinen alten Freund kam die Rettung leider zu spät. Er, der eine Leuchte der Wissenschaft war und zugleich ein Sucher nach den Wegen der Seele, konnte noch mit ansehen, wie Menschen von dem Streben nach dem Geisteslichte ergriffen werden; er ward selbst von diesem Streben mächtig fortgerissen, und schon stand er an der Schwelle in die Sphäre der Geisteswelt. Wunderbare Einblicke waren ihm gestattet. Doch zu schwach war seine Kraft, die Einblicke mit den Gewohnheiten seines vorigen Denkens zu vereinigen. Überwältigt von dem, was er schauen durfte, und gelähmt zugleich von der eignen Ohnmacht, verbrütet er nun sein Dasein, wie gefesselt durch die eignen Seelenkräfte, die auf der einen Seite ihn ins Geistgebiet kraftvoll drängen und ihn zugleich erbeben lassen, wenn er die entscheidenden Schritte machen soll.

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