{"corpus":"steiner","locus":"GA 44/04_02/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"THOMASIUS: Es trat in diesem Reiche ein wahrer Kenner der Weltgesetze mir entgegen. Was dieser Kenner dem Welturteil bedeutet, das kann nicht entscheiden, sondern allein der kann ihn beurteilen, der ihn kennen gelernt hat in seiner wahren Wesenheit. Und er ließ mich schauen, daß von größtem Glück es wäre, wenn mein Werk nie vor die Welt getreten wäre. Alles, was in ihm ist, und was der Welt Beifall jetzt findet, es kann nichts entscheiden über seinen Wert. Denn alles, was Wissenschaft und Denken an solchem Werke richten können, es kann sowohl gut als auch schlecht in der Wirkung sich erweisen. Und so kann eine Schöpfung, die von der Vernunft als die beste angesehen wird, als wahrhaft schädlich sich erweisen, wenn ihre Wirkung im Weltenfortgang sich entfaltet. Ahriman zeigte mir, daß niemand glauben dürfe, eine Schöpfung, die er vollbracht, könne sich jemals von ihm loslösen. Sie bleibt mit ihm verbunden. Und so mag es erscheinen, als ob ich etwas geleistet hätte, das gut ist und Gutes nun weiter wirken könne. Doch werde ich, wenn dies scheinbar im Erdgebiet geschieht, vom Geistesland aus in mein Werk hineinzuwirken haben, und Menschen um so gewisser zum Irrtum führen, weil sie glauben können, dem Guten zu folgen. Und dies wird geschehen müssen, weil mich Ahriman durch die Gewalt, die er über mich hat, so lenken kann, daß ihm die Wirkungen meiner Taten in der Zukunft zufallen müssen. Und so werde ich durch ein Werk, das durch den Schein der Wahrheit die Menschen verführt, diese um so gewisser zum Schlechten geleiten. Während ich an meiner Arbeit war, und in Entzücken und Beseligung von Schluß zu Schluß eilte, da konnten in meiner Seele sich voll entfalten all die Triebe, die in ihr längst veranlagt waren. Denn da mein Geist nur meinem Denken zugewandt war, da wucherte durch mein Selbst unbewacht alles was im Herzen wild nach Dasein strebte. Ich glaubte mich im höchsten Geistgebiet und ich war im tiefsten Seelentriebe. Ich hatte mich, bevor ich an die Arbeit ging, ja Lucifer ergeben. Er umspielte mein Denken mit schönsten Gebilden, die doch auch nur dem Trieb entsprangen, an ihnen die Denkerlust zu befriedigen. Doch während dies mir bewußt war, pflanzte er in meine Wesensuntergründe die wilden Triebe, welchen ich nun verfallen bin. Es kann mir Karma noch jetzt gestatten, daß ich so über alles dieses spreche, wie ich es tue. Doch werden Zeiten kommen, in welchen die Triebe meinen Geist verfinstern, und ich mit Notwendigkeit ihnen verfallen werde. Und ich werde gierig dann im Weltenwerden alles ergreifen, was aus meinem Werke folgt und es zu der Menschheit Verderben wenden. Denn ich werde Ahriman lieben müssen und mit Freude wird es mich erfüllen müssen, wenn ich durch meine Taten ihm die Welt in die Hände liefern kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Entwürfe, fragmentarisch, zum ersten, zweiten, fünften, siebenten, achten und zehnten Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":458,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/04_02/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/04_02/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/44/04_02/p015","paragraph_aligned":true}],"unit_kind":{"kind":"second_piece_same_name","base_unit":"GA 44/04","note":"Another piece with the same name as 04 in this volume; the suffix only separates the two."},"authorship":{"kind":"dramatis_persona","is_steiner":true,"speaker":"THOMASIUS","author":"Rudolf Steiner","note":"A line from the drafts and fragments of Rudolf Steiner's Mystery Dramas. The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."},"attribution_warning":"A line from the drafts and fragments of Rudolf Steiner's Mystery Dramas. The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."}