{"corpus":"steiner","locus":"GA 44/05_02/p037","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"THOMASIUS:  \nEinen Sieger habet Ihr, o hohe Weisheitträger,  \nIn mir erwartet, der nach manchem heißen Ringen  \nUnd jahrelangem Geistesmühen  \nDen stolzen Wissensbau errichtet,  \nUnd ihn zuerst verteidigt fand  \nDurch der eignen Seele Forschungssinn  \nUnd jetzt durch vieler Menschen Bekenntnis.  \nZuletzt erhebet zum Gliede eures Tempelschatzes  \nIhr, dies mein Werk.  \nGeblendet von solcher Lichtesfülle,  \nScheint mir Erstaunen nur zu ziemen  \nVor dem, was Geisteskraft, durch mich,  \nEin schwaches Werkzeug, wollte leisten.  \nUnd wahrlich, könnte etwas im weiten Weltenall  \nÜbertönen des eignen Herzens Wort,  \nDie Worte des hohen Meisters  \nMüßten es vermögen, der eben  \nSo väterlich zu mir gesprochen.  \nDoch darf in Wahrheit der Mensch  \nAllein sich diesem Tempel nahn.  \nDrum ziemt ein andres mir  \nAls die Bitte um euren hohen Schutz.  \nDenn wißt, der Vollbringer des Werks,  \nDas ungezählte Bekenner fand,  \nDem ihr die Weihe geben wollt:  \nEr steht als Abtrünniger der eignen Botschaft  \nIn dieser Stunde vor eurem Richterstuhl,  \nUnd mit seiner eignen Seele Widerspruch  \nVereint sich furchtbar die Erkenntnis,  \nDaß hier an diesem Orte Anerkennung  \nKann finden, was dem Schöpfer  \nAls Irrtum nur erscheinen kann. —  \nSo lang die Arbeit mich in Fesseln hielt  \nUnd ich von Schluß zu Schluß getrieben  \nDem trügerischen Ziel entgegeneilte,  \nErschien der Bau mir felsenfest.  \nUnd noch lange blieb es so,  \nNachdem das Werk vollbracht.  \nWär es anders, ich hätte zu hindern  \nWohl verstanden die Wirkung,  \ndie von meiner Botschaft ausgegangen.  \nErst spät jedoch, als die Betäubung hingeschwunden,  \nDie Schaffenskräfte über mein Selbst ergossen,  \nUnd ich wieder mir selbst entgegentrat,  \nDa konnten erwachen die Widerstände,  \nDie mir am eignen Wesen  \nGanz deutlich zeigten, welch Blendwerk  \nDem Geist entsprungen,  \nDer sich — so sicher wähnte, ja den  \nDie Welt in dieser Stunde fest gefügt noch halten kann.  \nDie Welt, der mein Erkenntnisbau  \nDie feste Stütze schaffen sollte  \nUnd die aus seines Wesens Untergründen  \nIn Zeiten, da der Geist in Geistessphären tritt,  \nSich zum bewußten Schauen kann erheben,  \nSie trat in ihrer eignen Wesenheit  \nUnd wahren Gestalt vor meine Seele.  \nO wie anders war da alles,  \nAls es sich meiner Seele Denkerwahn  \nIm wohlgefügten Wissensbau gezeichnet hat.  \nDa mußt ich sehn,  \nWie Irrtum in Wirklichkeit zur Wahrheit steht.  \nDer Tod ist Vernichtung ja nicht nur  \nDes Leibeswesens, das des Menschen Kern um hüllt,  \nVernichtung ist er auch dessen, was als Wahrheit  \nDie Hülle mit ihren Sinnen je ersinnen kann.  \nUnd wenn dereinst der Mensch erscheinen wird,  \nDer echte Bilder bringt von dem,  \nWas hinter des Todes Schwelle liegt,  \nDann wird es nicht durch Harmonie  \nMit allem, was Vernunftgesetz empfiehlt,  \nDes Geistesreiches Wirklichkeit vor die Seele stellen,  \nEs wird durch seinen Widerstreit  \nMit allem Zeitlichen, das ewige Wesen  \nIm Herzen zum Leben ausgebären.  \nIhr wähnt euch die Boten einer höhern Welt;  \nEmpfangen wollt ihr haben von alten Zeiten her  \nEin Wissen von der Wesen Urgestalten.  \nIndem ihr es den Zeichen anvertraut,  \nDie aus dem Zeitenreiche stammen,  \nHabt ihr es schon vermählt mit Wahn und Wahneswesen.  \nIhr seid ins Reich der Täuschung eingetreten  \nUnd habt des Seins echtes Wesen,  \nDas euch vererbt einst ward,  \nZum Zerrbild mehr noch umgebildet  \nAls jene dumpfen Menschenseelen,  \nDenen ihr als Führer leuchten wollt.  \nWenn mir der Wahn zur rechten Stunde  \nVon der irrenden Seele gewichen wäre,  \nIch hätte wohl die Kraft gefunden,  \nIn alle Welt hinauszurufen:  \n0 meidet, o Menschen, den Irrtum,  \nDer mit gleißnerischen Künsten  \nSich in eure Seelen schleicht. —  \nBevor ichs konnte, ward mir Kunde,  \nDaß Euer Schutz mit meiner Botschaft ist.  \nIch eilte zu der Freundin,  \nDie am besten erkennen mußte,  \nWie ich mich finden soll in das grausam Harte,  \nDaß euer Weisheitslicht den hellen Schein  \nüber mein Blendwerk breiten will.  \nMit Weisheitworten tief gegründet  \nBegegnete die edle Freundin mir,  \nDoch finstrer nur ergriff mich  \nGewißheit, daß ich mich getäuscht,  \nUnd da es meiner bösen Kunst gelungen,  \nAuch euch zu täuschen, daß  \nIn aller weiten Welt die Wahrheitsäulen  \nAuf morschem Grunde stehen.  \nDer Zwang, der mich hier treibt,  \nEuch frei zu sagen, daß auch ihr  \nIn Finsternis nur wandeln könnt',  \nEr nimmt dem Menschen mehr  \nAls Geistessphären je ihm geben können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zusammenhängende Entwürfe zum ersten, zweiten und dritten Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":663,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/05_02/p037","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/05_02/p037"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/44/05_02/p037","paragraph_aligned":true}],"unit_kind":{"kind":"second_piece_same_name","base_unit":"GA 44/05","note":"Another piece with the same name as 05 in this volume; 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The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."},"attribution_warning":"A line from the drafts and fragments of Rudolf Steiner's Mystery Dramas. The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."}