{"corpus":"steiner","locus":"GA 44/05_02/p046","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"THOMASIUS:  \nSo könnt es scheinen, wäre alles  \nDir schon vertraut, was ich erlebt.  \nDoch ist's die Hälfte nur meines Schicksals.  \nIch habe, als ich den Blick des Geistes  \nRichten durfte in vergangne Erdenleben,  \nAls Bruder mich erkannt des Weibes,  \nDas dir und mir in diesem Leben  \nAls Seherin mit starken Gaben ist erschienen.  \nUnd was ich vorher auch nicht einmal geahnt,  \nEs trat nach jener Geistesstufe,  \nDurch die ich wissentlich dem Wunsch-gebieter  \nVerbinden mich durfte, mit Urgewalt  \nIn meiner Seele auf. Wenn ich vertieft  \nIn meine Arbeit war, da zeigt' es sich  \nAls wilde Hast oft nur, doch wenn  \nErmüdet meine Seele die Ruhe suchen mußte,  \nDa konnt' ich entdecken, daß die alten Blutes bande  \nAls tiefste Liebesneigung für Theodora  \nIn meiner Seele Wurzeln haben geschlagen.  \nSo lange mich die Arbeit hielt,  \nWar ich betäubt und konnte glauben,  \nDaß bedeutungslos die Sehnsucht sei.  \nDoch jetzt, da ich mein Werk vollendet,  \nDa zeigt es sich mir klar, daß dieser Neigung  \nWesen zu durchschauen, die Angst mich hindert.  \nIch mußte sehen, wie durch Schicksalsbande  \nDas Weib, dem meine Sehnsucht gilt,  \nDem Manne ist vereint, der durch sie  \nSeine Lebensbahn konnte finden.  \nDarf ich zweifeln, daß auch künftge Leben  \nSolch starkes Band bewahren werden.  \nIm Sinne meiner eignen Lehre  \nMüßte ich mit sicherm Blicke die Lage über schauen;  \nDoch bebe ich in feiger Furcht zurück,  \nWenn ich ergründen soll, was meiner Neigung Folge ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zusammenhängende Entwürfe zum ersten, zweiten und dritten Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":231,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/05_02/p046","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/44/05_02/p046"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/44/05_02/p046"}],"unit_kind":{"kind":"second_piece_same_name","base_unit":"GA 44/05","note":"Another piece with the same name as 05 in this volume; the suffix only separates the two."},"authorship":{"kind":"dramatis_persona","is_steiner":true,"speaker":"THOMASIUS","author":"Rudolf Steiner","note":"A line from the drafts and fragments of Rudolf Steiner's Mystery Dramas. The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."},"attribution_warning":"A line from the drafts and fragments of Rudolf Steiner's Mystery Dramas. The text is his, the words are the character's: never quote it as a statement in his own voice."}