Nachträgliche Bemerkungen

GA 44/14/p004 · original (original)

Johannes Thomasius ist am Ende der «Prüfung der Seele» auf einem Punkte, in welchem ihm die geistige Welt Realität ist, in dem er aber auch als Persönlichkeit innerhalb des Geistes sich frei behaupten will. Das Gesunde seiner Wesenheit will sich da in sich selbst erfühlen und alle sentimentalen Schlacken, die so leicht sich in der Hingabe an die geistige Welt ergeben, von sich werfen. —In der langen Zeit, welche dann vergeht bis zu den Vorgängen des «Hüters der Schwelle» widmet er sich einer Arbeit, die aus der gesunden Grundlage seines Wesens und auch aus seinem gesunden Verhältnis zur geistigen Welt erwächst. Daß er dann, nach Abschluß dieser Arbeit dem Mystenbunde des «Hüters der Schwelle» so gegenübertritt, wie es in diesem Seelengemälde geschildert ist, kommt daher, daß er während der Arbeit an seinem Werke sich zu einem Gesichtspunkte durchgerungen hat, der ihm einen freien Überblick gestattet über den objektiven Wert einer solchen Arbeit, wie er sie geleistet hat. Eben während der Arbeit konnte ihm aufgehen, wie sich eine solche Geistesschöpfung in das Gewebe der wirklichen geistigen Welt hineinstellt. Dabei tritt vor seine Seele eine Aufklärung darüber, wie solche Schöpfungen, welche man leicht als ganz objektive hinnimmt, doch mit der Persönlichkeit und ihrer subjektiven Weltstellung zusammenhängen. Es tritt da an Johannes Thomasius etwas heran, was so lange kalt lassen kann, als man es theoretisch betrachtet, was aber ein ernstes Antlitz gewinnt, so bald es zum Seelen-Erlebnis wird: der Zusammenhang dessen, was der Mensch als ganz von seinem Persönlichen losgelöst glauben kann, mit diesem Persönlichen und seinem Schicksal. Die Worte, welche Johannes vor dem Mystenbunde im «Hüter der Schwelle» spricht: «Daß dieses Werk von einem andern Menschen und nicht von mir verrichtet werden mußte » können zu einer ernsten inneren Seelen-Tragik werden, wenn sie Seelen-Erlebnis sind. — Diese Tragik hängt dann zusammen mit einem Hervortreten des persönlichen Erlebens. Das letztere stellt sich naturgemäß für verschiedene Personen verschieden dar. Für Johannes scheint es sich mir aus allen seinen Anlagen zu ergeben, daß es die Form annimmt, in welcher es in das dritte, vierte und fünfte Bild des «Hüters der Schwelle» hineinspielt. In Verbindung mit diesen «Verirrungen» seiner Seele, welche Kontrastwirkungen zu sei-nem errungenen Erkenntnisstandpunkte darstellen, bildet sich in seinen Seelen-Untergründen die Möglichkeit aus, in seiner Art zu jener realen Selbsterkenntnis zu kommen, welche sich in den Erlebnissen des siebenten und achten Bildes des «Hüters der Schwelle» für ihn ergibt. Diese Selbsterkenntnis ist ...

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Cite: GA 44/14/p004 · edition original