VIII. Die Welt, Welche den Lebensorganen Zugrunde Liegt

GA 45/08/p004 · original (original)

Unter den Sinneserlebnissen sind fünf, deren Organe in der gleichen Art hinausweisen über die Welt, in welcher der Ursprung der den anderen Sinneserlebnissen entsprechenden Organe zu suchen ist. Nach dem oben Dargestellten ist der Geschmackssinn in der Art ein umgewendeter Geruchssinn, daß das Geschmacksorgan das Erlebnis, welches durch den Geruchssinn am äußeren Stoffe empfunden wird, sich nach innen kehrt, so daß der Geruch des schon im Leibesinnern befindlichen Stoffes geschmeckt wird. Der Geschmackssinn setzt also einen Stoff voraus, welcher schon im Organismus sich befindet. Das Geruchsorgan setzt aber den Stoff der Außenwelt voraus. Für den Gesichtssinn geht aus den obigen Betrachtungen hervor, daß sein Organ entsteht, wenn in dieser Entstehung eine Wesenheit wirksam ist, welche die Farbenerlebnisse nicht so behandelt, wie es geschieht, wenn sie durch den Gesichtssinn empfunden werden, sondern wenn sie dieselben in eine Tätigkeit versetzt, welche derjenigen entgegengesetzt ist, von der das Geschmacksorgan aufgebaut wird. Es kann somit, wenn in einem Organismus eine solche Tätigkeit veranlagt ist, ein Gesichtsorgan dadurch entstehen, daß eine vorher bestehende Anlage zu einem Geschmacksorgan in ein Gesichtsorgan umgewandelt wird. Während also ein Geruchsorgan ohne Berührung mit einem äußeren Stoff undenkbar ist, und ein Geschmacksorgan ein nach innen gewendetes Geruchsorgan ist, also einen im Innern vorhandenen Stoff voraussetzt, kann das Gesichtsorgan zustande kommen, wenn ein in der Anlage bestehendes Geschmacksorgan nicht als solches zu Ende geführt, sondern im Innern umgewandelt wird. Dann muß sich auch der Stoff auf einem inneren Wege zu diesem Organ ergießen. Ebenso ist es mit dem Wärmeorgan. Dasselbe kann aus gleichem Grunde, wie der für das Gesichtsorgan angegebene ist, als im Innern in seiner Bildung aufgehaltenes und umgestaltetes Geruchsorgan angesehen werden. (Es wäre damit das Geschmacksorgan als ein einfach umgewendetes, also am Ende seiner Bildung umgestülptes, das Wärmeorgan als ein umgewandeltes Geruchsorgan anzusehen.) Das Gehörorgan ergäbe sich in dem gleichen Sinne als umgewandeltes Gleichgewichtsorgan, das Lautorgan als in seiner Bildung früh aufgehaltenes Organ des Eigenbewegungssinnes, und das Begriffsorgan als gleich in seinem Entstehen umgewandeltes Organ des Lebenssinnes. Die Bildung dieser Organe setzt also keinen äußeren Stoff voraus, sondern es ergibt sich nur als notwendig, daß der im Innern strömende Stoff von höheren Gestaltungskräften ergriffen wird, als diejenigen sind, welche im Geruchssinne walten.

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