VIII. Die Welt, Welche den Lebensorganen Zugrunde Liegt
Dagegen ist für das Geruchsorgan die Berührung mit äußerem Stoffe notwendig. Nun setzt der Gleichgewichtssinn zwar nicht die Berührung mit dem äußeren Stoffe voraus, wohl aber eine Beziehung zu den drei Richtungen des Raumes. Wären diese Richtungen solche im leeren Raume, so könnte es den Gleichgewichtssinn nicht geben; er kann nur ein Bestehen haben, wenn der Raum stofferfüllt ist, und die Stofferfüllung von Kräften durchsetzt, mit denen sich der Menschenleib in Beziehung bringt. Zu Kräften müssen aber, wenn eine Wechselbeziehung zustande kommen soll, andere Kräfte in Beziehung stehen. Also muß der Leib des Menschen in sich den drei Kräften des den Raum erfüllenden Stoffes in seinem eigenen Stoffe drei Kräfte entgegensetzen. Der Menschenleib muß also ein Organ haben, welches nicht nur zum äußeren Stoff in einer solchen Beziehung steht wie das Geruchsorgan, sondern durch welches seine drei Kraftrichtungen empfunden werden können. Nun ist oben gezeigt worden, daß in der Bildung des Hörorgans der umgewendete Gleichgewichtssinn als tätig gedacht werden kann. Man setze nun voraus, daß dieser umgewendete Gleichgewichtssinn eine vorhandene Gehöranlage über die Bildung eines Gehörorgans hinausführe, das heißt, diese Bildung nicht abschließe in dem Augenblicke, wo sie Gehörorgan geworden ist, sondern von da ab weiter entwickele. Dann würde aus der Gehöranlage ein Gleichgewichtsorgan werden. In derselben Art kann nun vorgestellt werden, daß der umgewendete Eigenbewegungssinn eine Lautorgananlage über den Charakter der Lautanlage hinausführe. Dann würde durch ein entsprechendes Organ der Mensch nicht Laute wahrnehmen, sondern die Beziehungen empfinden, welche zu Kräften des äußeren Stoffes bestehen. Und wenn der umgewendete Lebenssinn ein Begriffsorgan weit über seine Bildung hinausführte, so würde es durch ein entsprechendes Organ die Beziehung des eigenen Stoffes zu äußerem Stoff empfinden. Damit nun solches möglich ist, müßte sich der Stoff nicht nur wirksam erweisen im menschlichen Leibe, sondern er müßte von außen herein, ohne den Leib zu berühren, in demselben seine Kräfte spielen lassen können. Dann wären in Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungssinn und Lebenssinn drei Organe gegeben, welchen die Außenwelt zu ihrer Entstehung notwendig wäre. Vom Tastsinn aber ist dieses ohne weiteres klar, da er nur durch ein verborgenes Urteil eine Außenwelt erkennt, also unbedingt eine solche vorausserzt. - Man kann somit sagen, im Geschmacks-, Gesichts-, Wärme- und Gehörorgan sind Organe gegeben, welche im Organismus durch die Kräfte in ihm strrömenden Stoffes gebildet werden können; für Geruchssinn, Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungs-, Lebens- und Tastsinn erweist sich der äußere Stoff mit seinen Kräften als eine Bedingung.