X. Die Gestalt Des Menschen

GA 45/10/p007 · original (original)

Nun ist anzuerkennen, daß diese vier Welten ineinander wirken, daß also die Kräfte jeder höheren in der niederen fortbestehen. Dadurch, daß die genannten Organe aus den Kräften höherer Welten hergeleitet werden, kann nur gesagt sein, daß diese Organe den Einflüssen der höheren Welten unterliegen, auch wenn sie in den niederen Welten auftreten. Aus der physischen Welt wirken die Kräfte der höheren Welten nicht auf die Sinnesorgang; aus der astralischen Welt wirken die Kräfte der beiden Geisteswelten nicht auf die Lebensorgane; und aus der niederen Geisteswelt wirken die Kräfte der höheren nicht auf die oben charakterisierten Anlagen der Lebensorgane. Daraus folgt, daß aus der physischen Welt die Kräfte der höheren Welten in anderer Art sich wirksam zeigen müssen, als wenn sie unmittelbar aus ihrer Welt heraus wirken. Die Kräfte der höheren Geisteswelt können auf den mit Sinnesorganen, Lebensorganen und Organanlagen ausgestatteten Menschen nur als Gestaltungskräfte wirken. Sie können Gestalt und Lage der Organe bestimmen. So ergibt sich die Gestalt und Lage der Organe des Menschenleibes aus der Wirksamkeit der höheren Geisteswelt in die physische herein. Das Ich erlebt in den Begriffswahrnehmungen die Begriffe; der Lebenssinn in seiner umgewendeten Art bringt die lebendigen Begriffe der höheren Geisteswelt hervor. In der physischen Welt können sie nur als Gestaltungskräfte wirken. Es ist doch gewiß klar, daß der Mensch die Fähigkeit der Begriffswahrnehmung seiner aufrechten Gestalt verdankt. Kein Erdenwesen außer ihm hat die Begriffswahrnehmung, keines die in gleicher Art aufrechte Gestalt. (Eine leichte Überlegung kann zeigen, daß bei Tieren, die eine scheinbar aufrechte Gestalt haben, diese auf anderes als innere Kräfte zurückzuführen ist.) So kann man in der Richtung von unten nach oben diejenige sehen, welche mit der Begriffswahrnehmung zusammenhängt, wenn der umgewendete Lebenssinn nicht dabei mitwirkt. Daraus darf auf eine Richtung von oben nach unten für den umgewendeten Lebenssinn geschlossen werden. Noch richtiger würde sein, zu sagen, auf eine Richtung nahezu von oben nach unten. Denn man sollte in der Wachstumsrichtung von unten nach oben etwas sehen, was dem umgewendeten Tastsinn entgegengesetzt ist. Insofern im Sinne der obigen Ausführungen das Ich einen Gegensatz zum Tastsinn darstellt, kann man die senkrechte Wachstumsrichtung des Leibes nach oben als Ich-Träger wie eine fortdauernde Überwindung des Gewichtes nach unten ansehen, was ja eine Umkehrung des Tasterlebnisses darstellt. Aus alledem kann auf einen Gegensatz des «oben-unten» und «unten-oben» im Menschenleibe so gedeutet werden, wie wenn eine Strömung von unten nach oben so stattfände, daß in ihr die Überwindung des von oben nach unten gehenden umgewendeten Lebenssinnes gegeben ist. Nun muß in diesem umgewendeten Lebenssinn das Hereinwirken der höheren Geisteswelt auf den physischen Menschenleib gesehen werden. Man kann somit sagen: der Menschenleib, insoferne er Ich-Träger ist, strebt nach oben; der physische Menschenleib, insoferne er in seiner Gestalt die Wirkung der höheren Geisteswelt zeigt, von oben nach unten. Insoferne leiblich der Mensch das Bild einer der höheren geistigen Welt angehörigen Wesenheit ausdrückt, kann man ihn aus der Durchdringung zweier Kraftrichtungen ansehen, als die Begegnung des Ich-Leibes mit dem physischen Leib. In seinem Ich-Erlebnis gehört der Mensch der physischen Außenwelt an, stellt aber zugleich dasjenige dar, was ein Bild gibt von dem in sich selbst zurückgestrahlten Erlebnis. Das ist ein Bild von dem, was als die in sich selbst ruhenden Sinneserlebnisse der höheren Geisteswelt charakterisiert worden ist. Im Leibe, insofern er Ich-Träger ist, darf somit ein Bild des sich selbst verinnerlichenden Stoffes gesehen werden. - Ein anderer Gegensatz tritt zutage in «rückwärtsvorne»; «vorwärts-rückwärts». Die Sinnesorgane stellen nun im wesentlichen mit den ihnen zugehörigen Nerven Organe dar, welche ihr Wachstum von vorne nach rückwärts offenbaren; stellt man sich sie, wie gewiß berechtigt ist, so wachsend vor, daß ihre Gestaltungskräfte der ursprünglichen, aus der niederen Geisteswelt stammenden Wachstumsrichtung entgegengesetzt ist, so darf man in der Richtung von rückwärts nach vorne diese letztere Richtung suchen. Und man wird dann sagen können, daß in dem Abschluß nach rückwärts mit bezug auf die menschliche Gestalt etwas ähnliches gegeben ist in bezug auf die niedere Geisteswelt wie mit dem Abschluß von unten nach oben mit bezug auf die höhere Geisteswelt. In der äußeren Gestaltung wirkten dann von vorne nach rückwärts auf die Lebensorgane diejenigen Kräfte der niederen Geisteswelt, welche auf den Menschen nicht aus der physischen Welt wirken können; von rückwärts nach vorne aber wirkten die Kräfte der niederen Geisteswelt in die physische Menschenwelt hinein. In ihnen drückt sich aus das, was man im Sinne der obigen Betrachtungen den astralischen Menschen nennen darf. Insoferne also der astralische Mensch sich in seiner Leibesgestalt zeigt, ist er eben so von rückwärts nach vorn strebend, wie der physische Menschenleib nach oben strebend ist. Der dritte Gegensatz wäre «rechtslinks»; «links-rechts». In der Symmetrie der Menschengestalt in bezug auf diese Richtung kann ein Hinweis darauf gesehen werden, daß sich die Kräfte da mit gleichem Maße gegenüberstehen. Ein solches ergibt sich, wenn man in diesen Richtungen ein Zusammenwirken der menschlichen Leibesgestalt, insoferne sie aus der niederen Geisteswelt die Leibesorgane schon gestaltet hat, mit den Gestaltungskräften der Sinnesorgane sieht. Man hätte also in der linken Leibeshälfte des nach vorn gerichteten Menschen sich die Gestaltungskräfte der astralischen Welt für die Sinnesorgane, insoferne diese Kräfte in der physischen Welt nicht mehr direkt weiterwirken, so zu denken, daß sie aus der linken Leibeshälfte nach rechts wirken; diejenigen Kräfte der asıralischen Welt, welche auf die Leibesgestalt so fortwirken, daß ihre Wirkung in der Leibesgestalt zum Ausdruck kommt, müßten dann nach links wirken. Da nun diese Kräfte auf bereits aus der niederen Geisteswelt bestimmte Organe wirken müssen, so werden sie sich in einer Wirkung nach innen zeigen, wie sich die Kräfte der höheren und niederen Geisteswelt in der Gestaltung nach außen zeigen. (Man kann das hier Gesagte durch die Anthropologie belegt finden in den Linien der Nervenbahnen, die sich im Organismus kreuzen.) - Das weist auf eine Durchdringung der astralischen Welt mit dem Ätherleib des Menschen, insoferne dieser in der Leibesgestalt zum Ausdruck kommt. Man wird sagen können:

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