43. Bewusstsein — Leben — Form

GA 46/46-03-43/p015 · original (original)

Tritt der traumlose Schlaf ein, so verschwindet die Bilderwelt. Scheinbar liegt nun der physische Leib ganz bewusstlos da; in Wahrheit ist aber sein Bewusstseinszustand nur ein noch dumpferer als im traumerfüllten Schlaf. Es ist auch die [bildererzeugende] Kraft aus dem physischen Leib ausgetreten. Daher können nur die Einsichten des Erweckten Aufklärung über diesen Zustand bringen. Dem Nichterweckten fehlen die Wahrnehmungen über denselben. Für den Erweckten aber erscheint der bildererzeugende Leib, der vorher mit dem physischen noch locker verbunden war, aus demselben herausgehoben. Und er ist jetzt nicht tatenlos, sondern er hat die Aufgabe, die durch Ermüdung sich als erschöpft darstellenden Kräfte des physischen Leibes wieder in der angemessenen Stärke herzustellen. Das Erfrischende eines gesunden Schlafes erklärt sich dadurch. Ermattet sinkt der physische Leib in Schlaf. Sein Selbstbewusstsein gibt er in diesem Augenblicke an höhere Wesen ab. In dem Zwischenzustand des Traumschlafes bleibt die Seele noch in einer losen Verbindung mit dem physischen Leib. Das Charakteristische dieser Seele ist ihr Schöpferisches. Sie beginnt mit dem Augenblicke des Aufwachens ihre schöpferische Kraft darauf zu wenden, dass sie die durch die Sinne vermittelnden Wahrnehmungen zum menschlichen Innenleben verarbeitet. Im Momente des Einschlafens fallen die äußeren Sinneswahrnehmungen weg. Im Zwischenzustand des Träumens gestaltet sich das Schöpferische noch zu den geschilderten Sinnbildern um; dann fallen auch diese Sinnbilder weg; die Seele wendet ihre ganze Schöpferkraft auf den Leib, den sie nun von außen bearbeitet. - Wer ganz von den Mitteilungen der Geheimwissenschaft absehen wollte, der könnte schon aus der Tatsache der Erfrischung am Morgen beim Erwachen entnehmen, wodurch sich die nächtliche Tätigkeit der Seele kennzeichnet. Das Leben des Tages hat etwas Unharmonisches, Chaotisches. Von allen Seiten wirken die Dinge der physischen Umgebung auf den Menschen. Bald findet dies, bald jenes Einlass in sein Inneres. Das bringt die inneren Bildungskräfte außer die Ordnung, die ihnen durch ihre ursprüngliche Natur zukommt. In der Nacht wird das wieder ausgeglichen. Die Seele stellt die Ordnung und Harmonie her. Durch das Tagesleben sieht allmählich der physische Leib aus wie eine Luftmasse, welche von allen Seiten von Windströmungen durchzogen wird, und deren Teile sich in unregelmäßiger Art durcheinanderbewegen. Beim Erwachen aber ist er einer solchen Luftmasse zu vergleichen, die von dem Rhythmus und der Harmonie eines Musikstückes in regelmäßige Schwingungen versetzt ist. Und in der Tat stellt sich die Arbeit der Seele am Leibe während des Schlafes für den Eingeweihten wie ein Durchtönen desselben dar. Der Mensch taucht während des Schlafes unter in die Harmonie des Seelenlebens. Und es ist dies dieselbe Harmonie, aus welcher er herausgebildet worden ist. Bevor sich der physische Leib zum ersten Male durch die Sinnesorgane der Außenwelt aufgeschlossen hat, stand er ganz unter dem Einflusse dieser Harmonie, die ihn gegliedert hat. Diese Harmonie durchzieht als Seelenharmonie, als Seelentönen die ganze Welt. Der Mensch ist von ihren Klängen so umgeben, wie er von den vorhin geschilderten Bildern umgeben ist. Wie dem Erweckten durch die Schulung diese Bilderwelt als wirkliche Umgebung wahrnehmbar wird, so auf einer noch höheren Stufe diese dritte Welt. Es fängt um ihn herum an zu klingen und zu tönen. Und in diesen Tönen erschließt sich ihm der Sinn der Welt. Wie die Form der physischen Welt aus den Bildern heraus entstanden ist, so erhielten diese Formen ihre innere Bedeutung und Wesenheit aus den geschilderten Tönen heraus. Alle Dinge sind von diesem Gesichtspunkte aus form-gewordene Töne.

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