73. Hellsehen, Vernunft und Wissenschaft

GA 46/46-04-73/p012 · original (original)

Man kann die eine Gefahr, in welche der Mensch bei seinem Aufstieg in die übersinnliche Welt verfällt und auf welche eben hingedeutet worden ist, auch so bezeichnen, dass man sagt: Es entsteht an der Grenze der beiden Welten die Neigung, ja ein fast unwiderstehlicher Drang: den Irrtum für Wahrheit zu halten. Wer nicht Sieger werden kann über diese Neigung, der wird zum Visionär, zum Schwärmer. Zum Geistesforscher wird er nicht. In der literarischen oder philosophischen Welt, welche sich außerhalb der theosophischen Weltansicht mit diesen Dingen beschäftigt, weiß man nichts von den strengen Gesetzen, welche sich der Geistesforscher nach Erkenntnis dieser Gefahr auferlegt. Daher ist es ganz begreiflich, wenn man alles das, was er als wahr bezeichnet, für nichts anderes als Visionen, Halluzinationen u. dgl. hält. Denn äußerlich, d.h. für jene Ideen, die man sich ohne das gekennzeichnete Erlebnis machen kann, sind sie nichts anderes. Und eine wahrhafte kritische Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Schein ist nur für denjenigen möglich, welcher seine Erkenntnisfähigkeiten in dem Feuer gehärtet hat, durch welches er gehen muss, wenn er jenes Erlebnis hat.

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