{"corpus":"steiner","locus":"GA 5/l03/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aus zwei Wurzeln stammt, nach Schopenhauers Meinung, unsere gesamte Welterkenntnis. Aus dem Vorstellungsleben und aus der Wahrnehmung des Willens, der in uns selbst als Handelnder auftritt. Das «Ding an sich» liegt jenseits der Welt unserer Vorstellung. Denn die Vorstellung ist nur die Wirkung, die das «Ding an sich» auf mein Erkenntnisorgan ausübt. Nur die Eindrücke kenne ich, die die Dinge auf mich machen, nicht die Dinge selbst. Und diese Eindrücke sind eben meine Vorstellungen. Ich kenne keine Sonne und keine Erde, sondern nur ein Auge, das eine Sonne sieht, und eine Hand, die eine Erde fühlt. Der Mensch weiß nur: «dass die Welt, welche ihn umgibt, nur als Vorstellung da ist, das heißt durchweg nur in Beziehung auf ein anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist». (Schopenhauer, «Welt als Wille und Vorstellung», § I.) Aber der Mensch stellt die Welt nicht bloß vor, sondern er *wirkt* auch in ihr; er wird sich seines Willens bewusst, und er erfährt, dass dasjenige, welches er in sich als *Wille* empfindet, von außen als Bewegung seines Leibes wahrgenommen werden kann, das heißt der Mensch nimmt sein eigenes Wirken doppelt wahr, von innen als *Vorstellung*, von außen als *Wille*. Schopenhauer schließt daraus, dass es der Wille selbst ist, der in der wahrgenommenen Leibesaktion als Vorstellung erscheint. Und er behauptet dann weiter, dass nicht nur der Vorstellung des eigenen Leibes und seiner Bewegungen ein Wille zugrunde liege, sondern dass dies auch bei allen übrigen Vorstellungen der Fall sei. Die ganze Welt ist also, nach Schopenhauers Ansicht, dem Wesen nach Wille und erscheint unserem Intellekt als Vorstellung. Dieser Wille, behauptet Schopenhauer weiter, ist in allen Dingen ein einheitlicher. Nur unser Intellekt verursacht, dass wir eine Mehrheit von besonderen Dingen wahrnehmen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Nietzsches Entwicklungsgang","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":283,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/5/l03/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["RSPI1960"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/5/l03/p017"},{"lang":"en","edition":"RSPI1960","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"locus":"GA 5/c01_3/p017","anchor_mapped":true,"anchor_method":"curated","anchor_confidence":"high","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/5/c01_3/p017"}]}