5. Friedrich Nietzsches Persönlichkeit und die Psycho-Pathologie
Nietzsche betrachtet den Wechsel seiner Vorstellungsarten geradezu als das Ergebnis der Veränderlichkeit in seinen körperlichen Zuständen. «Ein Philosoph, der den Gang durch viele Gesundheiten gemacht hat und immer wieder macht, ist auch durch ebenso viele Philosophien hindurchgegangen: er kann eben nicht anders, als seinen Zustand jedesmal in die geistigste Form und Ferne umzusetzen, — diese Kunst der Transfiguration ist eben Philosophie.» (Werke, Band V, S.8.) In seinen i888 niedergeschriebenen Lebenserinnerungen «Ecce homo» spricht Nietzsche davon, wie er aus der Krankheit heraus den Antrieb erhalten hat, eine optimistische Weltauffassung in sich auszubilden: «Denn man gebe acht darauf: die Jahre meiner niedrigsten Vitalität waren es, wo ich aufhörte, Pessimist zu sein: der Instinkt der Selbst-Wiederherstellung verbot mir eine Philosophie der Armut und Entmutigung.» (Elisabeth Förster-Nietzsche, «Das Leben Friedrich Nietzsches» II, I. S. 338f)