5. Friedrich Nietzsches Persönlichkeit und die Psycho-Pathologie

GA 5/l05/p012 · original (original)

Im Herbst 1888 kann sich Nietzsche mit dem Inhalt seiner Schrift «Richard Wagner in Bayreuth» gar nicht mehr anders abfinden, als dass er sich zurechtlegt: er habe gar nicht Wagner gemeint, sondern sich selbst. «Ein Psychologe dürfte noch hinzufügen, dass, was ich in jungen Jahren bei Wagnerischer Musik gehört habe, nichts überhaupt mit Wagner zu tun hat; dass, wenn ich die dionysische Musik beschrieb, ich das beschrieb, was ich gehört hatte, — dass ich instinktiv alles in den neuen Geist übersetzen und transfigurieren musste, den ich in mir trug. Der Beweis dafür, so stark als nur ein Beweis sein kann, ist meine Schrift 9Wagner in Bayreuth:: an allen psychologisch entscheidenden Stellen ist nur von mir die Rede, — man darf rücksichtslos meinen Namen oder das Wort 9Zarathustra: hinstellen, wo der Text das Wort Wagner gibt. Das ganze Bild des dithyrambischen Künstlers ist das Bild des präexistenten Dichters des 9Zarathustra:, mit abgründlicher Tiefe hingezeichnet und ohne einen Augenblick die Wagnersche Realität auch nur zu berühren. Wagner selbst hatte einen Begriff davon; er erkannte sich in der Schrift nicht wieder.» (E. Förster-Nietzsche, «Das Leben Friedrich Nietzsches», II, 1, S.259.)

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Cite: GA 5/l05/p012 · edition original