Vom inneren Leben
Wer durch eigene Erfahrung theosophische Wahrheiten verkündigt, der kennt dieses innere beschauliche Leben. Er verkündigt Ihnen heute, morgen theosophische Wahrheiten. Sie sind ein Teil eines großen theosophischen Weltenbildes, das er mit der inneren Kraft seines Geistes und seiner Seele erschaut. Er wendet den Blick in die Seelenwelt und in das Geisterland; er wendet den Blick von der Erde hinweg zu den Sonnensystemen, um sie zu erforschen. Aber diese Kraft würde bald in ihm erlöschen, wenn er ihr nicht jeden Morgen neue Nahrung gäbe. Das ist das Geheimnis des Geheimforschers. Das große Welt- und Menschheitsbild, das er hundert und aber hundert Mal durch seine Seele hat ziehen lassen, das zieht jeden Morgen wieder durch seine Seele. Nicht darauf kommt es bei ihm an, daß er das alles versteht, sondern darauf, daß er es mehr und mehr lieben lernt; daß er jeden Morgen einen Gottesdienst verrichtet, bei dem er in Verehrung zu den großen Geistern emporschaut. Er hat gelernt, in wenigen Minuten das ganze Bild zu überschauen. Mit Dankbarkeit durchrieselt es ihn für dasjenige, was es in seine Seele gegeben hat. Ohne diesen Pfad der Verehrung kommt man nicht zur Klarheit. Aus dieser Klarheit muß aber sein Wort geprägt sein. Wenn das der Fall ist, dann ist er wirklich erst berufen, über die Wahrheiten der Mystik, über die Wahrheiten der Theosophie und der Geisteswissenschaft zu sprechen. So macht es der Geistesforscher, und so muß es jeder machen, und in einfachster, elementarster Weise beginnen, bis er zum Verständnis dieser Lehren kommt. Das menschliche Wesen und die Weltenwesen sind tief, unendlich tief. Nicht anders als durch Geduld, Ausdauer und Liebe gegenüber den Weltenmächten erreicht man etwas auf diesem Gebiete. Das sind Kräfte, die, wie die Elektrizität in der äußeren Welt, mächtig sind in der inneren Welt. Sie sind nicht bloß moralische, sondern auch Erkenntniskräfte. Wenn der Schüler solche Wahrheiten eine Zeitlang hat in sich leben lassen, wenn er sich darin geübt hat und in Dankbarkeit gegenüber denen, die sie ihm eröffneten, sie hingenommen hat, dann kommt ein Moment, der für jeden einmal eintritt, der in seiner Seele Ruhe und Stille hat zur Entwickelung kommen lassen. Das ist der Moment, wo die eigene Seele zu sprechen beginnt, wo das eigene Innere die großen ewigen Wahrheiten zu schauen beginnt. Dann ist plötzlich die Welt um ihn herum erleuchtet von Farben, die er vorher nicht gesehen hat. Es wird für ihn etwas hörbar, was er früher niemals hat ertönen hören. Die Welt wird in einem neuen Lichte erglänzen; neue Töne und Worte werden wahrnehmbar werden. Dieses neue Licht und dieser Glanz leuchten ihm aus der Seelenwelt, und die neuen Töne, die er hört, kommen ihm aus dem Geisterlande zu. Die Seelenwelt sieht man, das Geisterland hört man. Das ist eine Charakteristik dieser Welten.