{"corpus":"steiner","locus":"GA 53/1904-12-15/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man darf auch nicht erwarten, daß die Seelenaugen schon morgen da sind. Wer Zorn, Ärger, Neugierde und so weiter bekämpft, der schafft zunächst nur Hindernisse hinweg, die sich wie Dämme vor seine Seele gelegt haben. Das muß immer wiederholt werden. Immer neue Anstrengungen sind zu machen. Der Okkultist kann beurteilen, wie die zarten Gebilde sich herausentwickeln. Wenn die menschlichen Worte das «Verwunden verlernt» haben, wenn sie nicht mehr scharf und spitzig sind, wenn sie milde geworden sind, um den Menschen mit Verständnis zu erfassen, dann erwacht das Chakram am Kehlkopf. Der Mensch muß aber lange üben, bis das für die eigene Persönlichkeit wahrnehmbar ist. Im Menschen wurde durch die Natur erst ein Augenpunkt, dann die ersten Ansätze zu einer Linse gebildet, und ganz langsam und allmählich hat sich das physische Auge in Millionen von Jahren entwickelt. Das Seelenauge braucht nicht so lange. Bei dem einen dauert es wenige Monate, bei dem anderen längere Zeit. Geduld muß man haben. Einmal kommt bei jedem der Augenblick, wo diese zarten Gebilde anfangen zu sehen, und dann, wenn der Mensch in entsprechender Weise diese Übungen fortsetzt, namentlich wenn er gewisse Tugenden entwickelt, die zuweilen auch das Leben eines geprüften Menschen in dem Menschen entwickeln können, drei Tugenden gibt es, die er da noch entwickeln muß, und die ihn fast zum Seher machen. Sie müssen nur in gehöriger Stärke, mit Intensität geübt werden: Selbstvertrauen mit Demut, Selbstbeherrschung mit Milde und Geistesgegenwart gepaart mit Standhaftigkeit. Das sind die großen Hebel in der Entwickelung der geistigen Organe. Die drei Tugenden führen aber zu entsetzlichen Untugenden, wenn sie nicht gepaart sind mit den drei anderen Tugenden, mit Demut, Milde und Standhaftigkeit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vom inneren Leben","site_heading":null,"date":"1904-12-15","location":null,"word_count":273,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/53/1904-12-15/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/53/1904-12-15/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/53/1904-12-15/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1904-12-15_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}