Luzifer

GA 54/1906-02-22/p020 ·1906-02-22 · original (original)
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So betrachtet, erscheint uns die menschliche Entwickelung wie in ein gewisses Licht gerückt. Es erscheint uns die ganze alttestamentliche Entwickelung als eine solche, in welcher der Gott als Liebe in dem Fortschreiten des menschlichen Geschlechts waltet, in der sinnlichen Liebe und in alledem, was sie begründet: Blutsverwandtschaft, Familie, Stamm und so weiter. Das Vollkommenste haben wir bei dem jüdischen Volke in Jehova. Dieser ist nichts anderes als die personifizierte Naturkraft, wenn man beachtet, wie er waltet im Mineralreich, im sprossenden Pflanzenreich, in dem Lust und Leid empfindenden Tierreich, und im Menschen selbst. Der Mensch-Gott, der Christus-Einschlag ist es, der das Mineral zum Kristall aufschließen läßt, der die Pflanze sprießen und die Tiere durch das Triebleben hindurchgehen läßt, und auch den Menschen vom Unvollkommenen zum Vollkommenen führt. Stiege auch der Mensch herauf zu den höheren Gebieten, so würde er ein bloßes Naturwesen bleiben, wenn nicht der andere Geist, aber der dem Menschen wohltätige Geist, Luzifer, in ihm waltete, der die Selbstsucht zwar, aber auch die Selbständigkeit und Freiheit wachruft, der den Menschen zu einem Eigenen, zu einem Sonderwesen macht, ihn aber dadurch auch erhebt über die bloße Naturgewalt. So wahr es ist für das Empfinden der Jehovadiener, daß Jehova selbst die Grundlage der Menschenwelt, die Gottheit ist, so wahr ist Luzifer derjenige, der sich empört, auflehnt gegen diese Naturgewalt, der den Menschen in ein Wissen führt, ihn aufruft zu einem klaren Bewußtsein.

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Cite: GA 54/1906-02-22/p020 · edition original