{"corpus":"steiner","locus":"GA 55/1906-11-08/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Im Menschen der Gegenwart besteht eine Harmonie zwischen Denken, Fühlen und Wollen, in der befindet sich heute ein normal gebildeter Mensch, der einem Leidenden gegenüber in den richtigen Gefühls- und Willenszustand kommt. Dies ist alles richtig für gewisse Stufen der Entwicklung. Es ist aber zu beachten, daß sich diese Harmonie im Gegenwartsmenschen unbewußt herstellt. Soll der Mensch aber eingeweiht werden, soll er hineinsehen in die höheren Welten, dann müssen diese drei Glieder: Denken, Fühlen und Wollen, auseinandergerissen werden. Die Willens- und Gefühlsorgane müssen eine Scheidung erleiden. Der physische Organismus eines Eingeweihten ist daher auch anders als der eines Nichteingeweihten, wenn das die Anatomie auch noch nicht hat nachweisen können. Der Kontakt zwischen Denken, Fühlen und Wollen ist unterbrochen. Der Eingeweihte wäre imstande, irgend jemand tief leiden zu sehen, ohne daß sich ein Gefühl in ihm regte, kalt würde er stehenbleiben und es ansehen können. Und warum ist dies so? Es darf sich beim Eingeweihten nichts unbewußt ineinandergliedern, er ist aus Freiheit ein mitleidsvoller Mensch und nicht, weil ihn etwas ÄAußeres dazu zwingt. Das ist der Unterschied zwischen einem Eingeweihten und einem Nichteingeweihten. Ein solches höheres Bewußtsein schafft gleichsam eine höhere Substanz, und der Mensch zerfällt in einen Gefühls-, einen Willens- und einen Denkmenschen. Über diesen dreien thront dann erst der höhere, neugeborene Mensch, und von dieser Stufe eines höheren Bewußtseins aus werden dann jene drei in Einklang gebracht. Hier muß dann auch wieder der Tod, die Zerstörung eingreifen. Träte diese Zerstörung so ein, daß nicht zugleich auch ein neues Bewußtsein entsproßte, dann würde Wahnsinn entstehen. Wahnsinn würde also nichts anderes sein als der Zustand, in dem das menschliche Wesen zerschellt ist, ohne daß die höhere, bewußte Instanz geschaffen worden ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Ursprung des Leides","site_heading":null,"date":"1906-11-08","location":null,"word_count":280,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1906-11-08/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/55/1906-11-08/p032"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/55/1906-11-08/p032","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1906-11-08_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}