Der Ursprung des Leides
Wenn es sich mit der Erhebung, die aus der durch Schmerz erlangten Erkenntnis fließt, so verhält, wenn es also wahr ist, daß aus Leid Lehre entsteht, dann ist nicht mit Unrecht — wie wir das nächste Mal sehen werden — in der biblischen Schöpfungsurkunde die Erkenntnis des Guten und des Bösen mit den Leiden und Schmerzen in Zusammenhang gebracht. Deshalb ist auch von tiefer Blickenden mit Recht immer wieder betont worden, wie der Ursprung der Läuterung, die Erhöhung der menschlichen Natur, im Schmerz liegt, und wenn die theosophische Weltanschauung in dem großen Schicksalsgesetze, Karma, von den Leiden aus, die ein Mensch im gegenwärtigen Leben erleidet, hindeutet auf das, was er in früheren Leben gesündigt, verbrochen hat, dann verstehen wir einen solchen Zusammenhang auch nur aus der tieferen Menschennatur heraus. Dasjenige, was im früheren Leben von uns in der Außenwelt vollführt wurde, verwandelt sich aus wilden in erhabene Kräfte. Die Sünde ist gleichsam wie ein Gift, das aber, wenn es in Substanz des Lebens verwandelt wird, sich zum Heilmittel gestaltet. So kann die Sünde wieder zur Kräftigung und Erhöhung des Menschen beitragen, und so stellen sich uns auch in der Erzählung von Hiob die Schmerzen und Leiden als eine Erhöhung der Erkenntnis und des Geistes dar.