Der Ursprung des Bösen

GA 55/1906-11-22/p007 ·1906-11-22 · original (original)
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Welche Aufgabe hat nun die Seele, die frei ist vom Leibe? Wir treffen hier auf einen wichtigen Grundsatz. Jedes Wesen wird, wenn es sich herausentwickelt hat, auf einer höheren Stufe Leiter und Führer derjenigen Wesen und Formen, durch die es durchgegangen ist. Wir sehen da ein Zukunftsbild. Wenn der Mensch sich so vergeistigt haben wird, daß er den physischen Leib nicht mehr braucht, wirkt der Mensch als geistiger Leiter von außen auf die Welt ein. Dann ist die Aufgabe dieses Planeten erfüllt. Er geht dann zu einer anderen Verkörperung über. Die Erde wird dann ein neues planetarisches Dasein erhalten. Die Menschen werden dann die Götter des neuen Planeten sein. Der Menschheitsleib, der verlassen ist vom Geist, wird niederes Reich sein. Wir tragen jetzt eine doppelte Natur in uns: das, was herrschen wird auf dem nächsten Planeten, und das, was das niedere Reich sein wird. So wie die Erde sich neu verkörpern wird, so hat sie sich auch herausgebildet aus früheren Entwicklungsvorgängen, und so wie die Menschen die Götter des nächsten Planeten sein werden, so waren die uns jetzt leitenden Wesenheiten Menschen auf dem vorhergehenden Planeten, und sie hatten als Niederes das, was wir Menschen auf der Erde sind. Damit finden wir den Zusammenhang der Erde mit Vorgängen, die in der Vergangenheit und in der Zukunft liegen. Die Stufe, die der Mensch heute auf der Erde hat, hatten einstmals die Wesen, die die Schöpfer und Führer der Menschen heute sind, die ElohimGeister, die sich offenbaren als Führer der Entwicklung des Menschen. Und die Menschen werden auf dem zukünftigen Planeten so weit sein, daß sie selbst Lenker und Leiter sind. Aber man muß nicht denken, es müsse sich nun genau so wiederholen; dasselbe wiederholt sich nie. Nichts geschieht zweimal in der Welt. Nie war das Dasein so wie jetzt auf der Erde. Das Erdendasein bedeutet den Kosmos der Liebe, das Dasein auf dem früheren Planeten bedeutet den Kosmos der Weisheit. Die Liebe vom Elementarsten bis zum Höchsten sollen wir entwickeln. Die Weisheit ruht verborgen auf dem Grunde des Erdendaseins. Darum soll man nicht von der «niederen» physischen Menschennatur sprechen, denn sie ist gewissermaßen die vollkommenste Form des Menschen. Man betrachte den weisheitsvollen Bau eines Knochens, zum Beispiel des Oberschenkelknochens. Da ist das Problem: mit dem geringsten Aufwand von Material und Kraft die größtmöglichste Gewichtsmasse zu tragen, in vollkommenster Art gelöst. Man schaue sich den Wunderbau des Herzens, des Gehirns an! Der Astralleib steht nicht etwa höher. Er ist der Genießer, der fortwährende Attacken auf das weisheitsvoll gebaute Herz macht. Er wird noch lange brauchen, um so vollkommen und weise zu sein wie der physische Leib. Aber er muß es werden. Darin besteht die Entwicklung. Auch der physische Leib mußte sich so entwickeln. Was weise an ihm ist, mußte aus Unweisheit und Irrtum hervorgehen. Die Weisheitsentwicklung ging der Liebesentwicklung voraus. Die Liebe ist noch nicht vollkommen. Aber in der ganzen Natur ist sie zu finden. Bei der Pflanze, beim Tier, beim Menschen, von der niedersten Geschlechtsliebe an bis zur höchsten, vergeistigtesten Liebe. Ungeheure Mengen von Wesen, die der Liebestrieb hervorgebracht, gehen im Kampf ums Dasein zugrunde. Kampf wirkt überall da, wo Liebe ist. Das Auftreten der Liebe bringt Kampf, notwendigen Kampf mit sich. Aber sie wird ihn auch überwinden, wird den Krieg in Harmonie verwandeln.

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Cite: GA 55/1906-11-22/p007 · edition original