Der Ursprung des Bösen
Nicht alle Wesen des früheren Planeten stiegen zur Höhe der Weisheit hinan. Es sind Wesen zurückgeblieben, sie stehen ungefähr zwischen Göttern und Menschen. Sie brauchen noch etwas vom Menschen. Aber in einen physischen Körper können sie sich nicht mehr kleiden. Luziferische Wesenheiten nennt man sie, oder man faßt sie zusammen unter dem Namen Luzifer als ihrem Anführer. Wie wirkt nun Luzifer auf die Menschen? Nicht so wie die Götter. Das Göttliche tritt an das Edelste im Menschen heran, aber an das Niedere kann und soll es nicht kommen. Weisheit und Liebe werden erst am Ende der Entwicklung ihre Vermählung feiern. Aber die luziferischen Wesenheiten treten an das niedere, unentwickelte Element der Liebe heran. Sie bilden die Brücke zwischen Weisheit und Liebe. So erst mischt sich die Weisheit mit der Liebe. Das, was sich nur ans Unpersönliche wendet, verstrickt sich so mit der Persönlichkeit. Auf dem früheren Planeten war die Weisheit ein Instinkt, wie es heute die Liebe ist. Ein schöpferischer Weisheitsinstinkt war herrschend, wie heute ein schöpferischer Liebesinstinkt. Früher hatte also die Weisheit den Menschen instinktmäßig geführt. Dadurch aber, daß die Weisheit heraustrat und nicht mehr führte, ward der Mensch selbstbewußt, er wußte sich als ein selbständiges Wesen. Im Tier ist die Weisheit noch instinktmäßig, darum ist es noch nicht selbstbewußt. Aber die Weisheit wollte den Menschen nun von außen lenken und leiten, ohne daß die Liebe einen Zusammenhang damit hatte. Da Luzifer kam, pflanzte er die menschliche Weisheit in die Liebe. Und die menschliche Weisheit schaut auf zur göttlichen Weisheit. Im Menschen ward die Weisheit zum Enthusiasmus, zur Liebe selbst. Hätte nur die Weisheit ihren Einfluß ausgeübt, so wäre der Mensch nur gut geworden, er hätte die Liebe nur zum Aufbau des Erdenbewußtseins gebraucht. Aber Luzifer brachte die Liebe mit dem Selbst in Verbindung, zum Selbstbewußtsein trat die Selbstliebe. Das wird schön im Paradiesesmythus ausgedrückt: «... und sie sahen, daß sie nackend waren», das heißt, damals sahen die Menschen zum ersten Male sich selbst, vorher hatten sie nur die Umwelt gesehen. Da hatten sie nur ein Erdenbewußtsein, aber kein Selbstbewußtsein. Nun konnten die Menschen die Weisheit in den Dienst des Selbst stellen. Selbstlose Liebe zur Umwelt und Liebe zum Selbst gab es von nun an. Und die Selbstliebe war böse und die Selbstlosigkeit war gut. Nie hätte der Mensch ein warmes Selbstbewußtsein bekommen ohne Luzifer. Denken und Weisheit traten nun in den Dienst des Selbst. Nun gab es eine Wahl zwischen gut und böse. Nur um das Selbst in den Dienst der Welt zu stellen, darf Liebe zum Selbst hinzutreten. Nur wenn die Rose den Garten zieren will, darf sie sich selbst schmücken. Das muß man sich bei einer höheren, okkulten Entwicklung tief in die Seele schreiben. Um das Gute fühlen zu können, mußte der Mensch auch das Böse fühlen können. Enthusiasmus für das Höhere gaben ihm die Götter. Aber ohne das Böse konnte es kein Selbstgefühl, keine freie Wahl des Guten, keine Freiheit geben. Das Gute konnte ohne Luzifer verwirklicht werden, die Freiheit nicht. Um das Gute wählen zu können, muß der Mensch auch das Böse vor sich haben, es muß ihm innewohnen als Kraft der Selbstliebe. Aber die Selbstliebe muß zur All-Liebe werden. Dann wird das Böse überwunden sein. Freiheit und das Böse entspringen aus demselben Punkt. Luzifer enthusiasmiert den Menschen menschlich für das Göttliche. Luzifer ist der Träger des Lichts. Elohim ist das Licht selbst. Hat das Licht der Weisheit die Weisheit im Menschen entzündet, so hat Luzifer das Licht in den Menschen hineingetragen. Aber der schwarze Schatten des Bösen mußte sich hineinmischen. Luzifer bringt eine eingeschränkte, fleckenerfüllte Weisheit, aber diese kann in den Menschen eindringen. Luzifer ist der Träger der äußeren, menschlichen Wissenschaft, die ja im Dienste des Egoismus steht. Darum wird vom okkulten Schüler Selbstlosigkeit gegenüber dem Wissen verlangt. Dies ist der Ursprung des Bösen in der menschlichen Entwicklung. Was der Sauerteig des alten Brotteiges für das neue Brot ist, das ist vom früheren Planeten Luzifer für uns. Das Böse wird gut an seinem Ort. Bei uns ist es nicht mehr gut. Das Böse ist ein versetztes Gutes. Das absolut Gute eines Planeten bringt in einem seiner Teile zum neuen Planeten immer auch das Böse mit. Das Böse ist ein notwendiger Entwicklungsgang.