Wie begreift man Krankheit und Tod?

GA 55/1906-12-13/p003 ·1906-12-13 · original (original)
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Heute haben wir es mit einem Thema zu tun, das zweifellos jedem Menschen nahegeht, denn die beiden Worte «Krankheit und Tod» drücken etwas aus, was sich in jedes Leben hineinstellt, oftmals wie ein unerbetener Gast, oft aber auch als etwas Quälendes, Beengendes, Furchtmachendes. Ja, der Tod stellt sich als die größte Rätselfrage ins Dasein hinein, so daß, wenn jemand die Frage nach dem W :sen des Todes gelöst hat, für ihn dann wohl auch die Frage nach dem Wesen des Lebens gelöst ist. Oft hört man sagen: Der Tod bildet ein Rätsel, noch keiner hat es gelöst, und auch keiner wird es je lösen. — Die Menschen, die dergleichen aussprechen, ahnen gar nicht, welche Unbescheidenheit in diesen Worten liegt, sie ahnen gar nicht, daß es eine Lösung solcher Rätselfragen gibt und daß sie es nur nicht verstehen. Heute, wo wir es mit einem so umfassend wichtigen Ding zu tun haben, bitte ich Sie, ganz besonders darauf zu achten, daß es sich um nichts anderes handeln kann, als um eine Beantwortung der gestellten Frage: Wie begreift man Krankheit und Tod? Wir können uns daher nicht auf spezielle Fragen über Krankheiten und Gesundheit einlassen, sondern müssen uns im wesentlichen an die Frage halten: Wie erlangt man ein Verständnis für diese zwei wichtigen Fragen unseres Daseins?

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